Da ist er wieder: Tyson Fury. Die Gürtel, die er lange Zeit besaß, hat er inzwischen aber alle verloren. Am Samstag beginnt in London sein x-tes Comeback. © AFP/ADRIAN DENNIS
London – Der Befehl zum abermaligen Comeback, so erzählt es Tyson Fury zumindest, kam aus dem Computer. „Der Boxsport erreicht sein maximales Potenzial, wenn Tyson Fury aktiv kämpft“, sagte der Ex-Weltmeister jüngst: „Das behaupte nicht ich. Eine KI, die schlaueste KI der Welt, ChatGPT, hat das gesagt.“ Und weil es mit dem Boxen ohne ihn „bergab“ gegangen sei, sah sich Fury zur Rettung berufen.
Er werde nach 476 Tagen „nur aus einem Grund“ zurückkehren, erklärte Fury vor seinem auf Netflix übertragenen Ring-Comeback am Samstag in London gegen den in Kanada lebenden Russen Arslanbek Machmudow. Nämlich, um das Boxen „great again“ zu machen. Bewusst die Rhetorik von US-Präsident Donald Trump nutzend, setzte Fury zu einem seiner Sprüche-Feuerwerke an, wobei jedem klar sein muss, dass er mit all dem Tamtam einem Plan folgt, an dessen Ende genau ein Name steht: Alexander Usyk.
Fury will unbedingt den dritten Kampf gegen seinen Bezwinger Usyk
Auf der Suche nach Gründen für die nächste Fury-Rückkehr ist neben noch mehr Geld auf dem Konto der Name des dreifachen Schwergewichts-Weltmeisters zwingend zu nennen. Er hat Fury seine einzigen zwei Pleiten in 37 Profikämpfen beigebracht. Auch wenn Fury nach der letzten im Dezember 2024 in den Ruhestand gegangen war, blieb stets offenkundig, dass er die Chance auf ein drittes Duell wahrnehmen würde, wenn sie sich böte.
So wirklich lang war der 37-Jährige ohnehin noch nie in Box-Rente geblieben, am längsten nach seinem Sieg über Wladimir Klitschko zwischen 2015 und 2018 infolge einer Lebenskrise inklusive Depressionen, Drogen- und Dopingskandalen. Doch selbst seine Dämonen konnten den Edeltechniker mit dem losen Mundwerk nicht aufhalten, 2020 holte er sich den WM-Titel des WBC, den er erst an Usyk verlieren sollte.
Usyk, immer wieder Usyk. Hatte er im Oktober 2025 noch behauptet, dass ihn selbst eine Milliarde Pfund nicht zurück in den Ring bringen könnte, macht Fury längst keinen Hehl mehr daraus, dass er den dritten Teil der Trilogie unbedingt will. „Am Ende des Jahres wird er mich um einen dritten Fight anflehen.“ Doch erst einmal muss Fury am Samstag überzeugen, es braucht eine Machtdemonstration.
Der Rahmen dafür ist klug gewählt. Die 60.000 Zuschauer werden im Tottenham Stadium für ihn jubeln, während Netflix den Kampf weltweit ausstrahlt, was so einige Millionen in Furys Kassen spülen dürfte. Der Gegner, ein Mann mit Fäusten aus Beton, mutet zwar bedrohlich an, wurde aber nicht zuletzt 2023 von Deutschlands Hoffnungsträger Agit Kabayel per Leberhaken demontiert.
Ein Mensch, der Fury lange nahe stand und mittlerweile mit ihm über Kreuz liegt, hegt jedoch Zweifel an Furys Form: sein Vater John. „Ich denke, er hat seine beste Zeit hinter sich. Ich bin ein Typ ohne Filter – ich sage es, wie ich es sehe“, sagte jener im Podcast Playbook Boxing, Machmudow werde „ein Problem für Tyson“.
Das sieht der Sohn anders. Nach vier Runden, so Fury, werde Machmudows Gesicht wie der Hackblock eines Metzgers aussehen. „Ich will eine Show abliefern. Ich will einen explosiven K.o.-Sieg“, so Fury, „und ich glaube, dass ich den auch holen werde.“ Fragt man ChatGPT, ist Fury jedenfalls der klare Favorit. Im Rahmenprogramm boxt der Erdinger Simon Zachenhuber.SID