Souverän in Gelb: Paul Seixas. © Lopez/EPA
Astitz – Dem explosiven Antritt von Paul Seixas hatte auch Florian Lipowitz nichts entgegenzusetzen. Staunend musste der deutsche Tour-Dritte an einem steilen Bergpass zusehen und anerkennen, dass Frankreichs Radsport-„Wunderkind“ ihm und allen anderen Fahrern zu Beginn der stark besetzten Baskenland-Rundfahrt überlegen ist.
Seine sensationelle Solo-Show sicherte Seixas am Dienstag den zweiten Etappensieg und ein Polster an der Spitze der Gesamtwertung. „Ich habe nicht gezögert anzugreifen. Das Schlimmste ist, Angst zu haben, ein Risiko einzugehen“, sagte Seixas: „Ich liebe es, so zu fahren.“
Das 19 Jahre alte Top-Talent aus Lyon, das auch am Mittwoch auf der dritten Etappe Platz eins souverän verteidigte, steuert im Norden Spaniens auf seinen ersten Gesamtsieg auf World-Tour-Niveau zu – und befeuert den Hype in seiner Heimat. Sein Potenzial scheint grenzenlos zu sein. „Dieser Junge wird mal ein Monster auf dem Rad. Wir werden in der Zukunft noch viel von ihm zu sehen bekommen“, adelte ihn im März kein geringerer als Tour-Sieger Tadej Pogacar.
Damals hatte der Weltmeister gerade das schwierige Eintagesrennen Strade Bianche gewonnen. Der Fahrer, der auf den Schotterpisten der Toskana am längsten mit Pogacar mithielt, war Paul Seixas. Für eine Wachablösung an der Spitze der Radsport-Nahrungskette ist es noch zu früh. Pogacars designierter Nachfolger aber steht offenbar bereit.
Träume erwachsen deshalb vor allem in Frankreich. Seit Bernard Hinault im Jahr 1985 hat kein Fahrer aus der Radsport-Bastion die Tour de France gewonnen. Generationen haben sich versucht, sie alle sind gescheitert: Fahrer wie Richard Virenque, Laurent Jalabert oder Thomas Voeckler; Julian Alaphilippe, Romain Bardet oder Thibaut Pinot. Sie gewannen Etappen, das Bergtrikot, trugen teils zumindest phasenweise das Gelbe Trikot. Als Gesamtsieger auf dem Podium in Paris stand keiner von ihnen.SID