Immer mit der Ruhe, die Herren! Der Schiedsrichter beschwichtigt zwischen dem Münchner Philipp Krening (r.) und Mannheims Nick Mattinen. © IMAGO/Daniel Meyer
Mannheim/München – Das hat ja so kommen müssen. In der DEL-Hauptrunde hatte es in der Mannheimer SAP Arena schon zwei Duelle mit dem EHC Red Bull München gegeben – keines war nach der üblichen Spielzeit von sechzig Minuten beendet gewesen, zur Entscheidung (mit 4:3 zu Gunsten Mannheims) hatte es einer fünfminütigen Verlängerung und noch eines Penaltyschießens bedurft. In den Playoffs wird das anders geregelt. Man spielt, bis das Tor fällt, notfalls bis in den nächsten Tag hinein. 2:2 stand es im ersten Halbfinale der Best-of-Seven-Serie, also wurde das Eis noch einmal aufbereitet, auf dass ein Team die Scheibe final im Netz versenke. Das geschah schließlich um 22.20 Uhr, nach einer Gesamtspielzeit von 72:08 Minuten. Mannheims Kapitän Marc Michaelis brachte den Puck am Münchner Torwart Bibeau vorbei. 3:2 für die Adler – nachdem bis dahin der EHC die klareren Chancen gehabt hatte. „Aber die Münchner Jungs sind müde geworden. wir sind Vollgas draufgegangen und haben die Scheibe vorbe reingeworfen“, meinte Justin Schütz, Vorbereiter des Adler-Siegtors. Schütze Michaelis: „Ein dreckiges Playoff-Tor.“
Das Viertelfinale, durch das München gegen Ingolstadt gegangen war, war ungewöhnlich torreich, 5,17 Treffer hatte der EHC im Schnitt erzielt, sein Kontrahent 3,67. Zwischen den Adlern Mannheim und den Münchnern zeichnete sich von Beginn an ab: So offen werden die Tore nicht stehen. Beide Mannschaften versuchten, der jeweils anderen kein Überzahlspiel zu gestatten, erste Strafzeiten (beidseitig) gab es erst in der 30. Minute. Anders als Ingolstadt ist Mannheim auch nicht von einem Torhüterproblem geplagt: Maxi Franzreb, für die Playoffs als Nummer eins auserwählt, gilt als zuverlässig, er gehörte auch zur deutschen Olympia-Mannschaft.
Was erfolgreiche offensive Aktionen betrifft, zeigte der EHC München gutes Timing. Er war früh in Rückstand geraten (durch John Gilmour in der 5. Minute), glich aber rechtzeitig aus. Taro Hirose lief 7,5 Sekunden vor der ersten Drittelsirene in die Bahn des von Ville Pokka abgefeuerten Pucks und fälschte ihn zum 1:1 ab. Zu einem Zeitpunkt, der den Gegner schmerzt, legten die Münchner ihre 2:1-Führung nach: 63 Sekunden waren im zweiten Drittel noch zu spielen, als Nikolaus Heigl einnetzte. Erstes Playoff-Tor – nach einem Hauptrunden-Tor. Das lag bereits 28 DEL-Spiele zurück, und damals hatte „Klausi“ Heigl anlässlich seiner Saisontorpremiere noch geunkt: „Wenn ich jetzt eines habe, heißt das noch nicht, dass weitere kommen.“ Insofern ist ein erstes Halbfinalmatch, auswärts noch dazu, eine gute Gelegenheit, sich wieder anzumelden. Schon im sechsten Viertelfinale in Ingolstadt hatte Heigl zumindest sauber aufgelegt für seinen Sturmgefährten Philipp Krening – der revanchierte sich nun, bereitete das Heigl-Tor mit einem Scheibenklau vor.
Dafür kamen die Adler gut ins letzte Drittel. Zach Solow stieß nach 75 Sekunden in die Lücke, die sich im Slot vor EHC-Keeper Antoine Bibeau auftat – 2:2. Und das blieb als Resultat stehen zwischen zwei Teams, die wenig unterscheidet. „Sie sind wie wir“, meinte EHC-Stürmer Adam Brooks. München traf in Person von Taro Hirose und Yasin Ehliz Pfosten und Latte, Tom Kühnhackl hatte zwei nennenswerte Chancen im Mannheimer Unterzahlspiel. „Beim zweiten Schuss“, sagte er selbstkritisch, „kann man sogar diskutieren, ob er drin sein muss.“ War er nicht. Daher: Überlänge im ersten Halbfinale.
GÜNTER KLEIN