Scherbenhaufen 1860

von Redaktion

Aufstieg futsch: Wie geht es weiter bei den Löwen? – Heute Mueller-Verhandlung

Wie begossene Pudel schlichen die Löwen nach dem 0:3 bei Energie Cottbus zur Gäste-Kurve. Nach dem erneut verpassten Aufstieg blickt 1860 in eine unsichere Zukunft. © Stefan Matzke

München – Auf „richtungsweisende“ Spiele folgten Partien, die „unbedingt gewinnen“ werden mussten. Die Endstufe dieser traurigen Löwen-Trilogie war die „letzte Chance“ in Cottbus. 0:3, eine deftige Watschn in der Lausitz, die die traurige Erkenntnis mit sich brachte: 1860 kann für ein weiteres Jahr 3. Liga planen, das neunte (!) in Folge. Am Status quo als Dino dieser Spielklasse wird sich bis mindestens Mai 2027 nichts ändern in Giesing.

Die weiße Flagge hatte Geschäftsführer Manfred Paula beim Halbzeit-Gespräch mit MagentaSport in Cottbus zwar noch nicht in der Hand. Doch Hoffnung, dass seine Sechzger diesen 0:2-Rückstand noch drehen würden, strahlte der 61-Jährige nicht aus. Stattdessen gab Paula zähneknirschend zu: „Zehn Punkte hinter dem dritten Platz sind eine Hausnummer. Da muss man realistischerweise sagen, dass man anderweitig planen muss. Ich bin kein Freund von Durchhalteparolen.“ Und auch Trainer Markus Kauczinski erklärte nach dem Spiel: „Wenn man die anderen Ergebnisse sieht und dass wir hier nicht unsere Leistung abrufen konnten, dann brauchen wir darüber (Aufstieg; Red.) nicht mehr zu reden.“

Kapitän Thore Jacobsen trat sichtlich schockiert vors Mikrofon von „MagentaSport“: „In der ersten Halbzeit waren wir einfach nicht bereit für das Spiel heute. Die Körpersprache von jedem – da waren wir wie Geister. Ich bin fassungslos.“ Die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Auf die triste Löwen-Erkenntnis, dass es auch kommende Saison gegen Teams wie Stuttgart II oder Wiesbaden statt auf den Betzenberg gehen wird, folgt die Frage: Wie geht es weiter? 1860 steht mal wieder vor einem Scherbenhaufen, den Paula, Kauczinski und auch Präsident Gernot Mang erst einmal sortiert bekommen müssen. Und wie immer ist das keine leichte Aufgabe. Man kennt es.

Kauczinski wird wohl noch länger warten müssen, ehe er weiß, mit welchem Kader er ab dem Sommer einen neuen Anlauf starten darf. 16 Verträge laufen aus, die Zukunft von Leistungsträgern wie Jacobsen und Thomas Dähne ist ungeklärt. Nach Informationen unserer Zeitung hatte man bei Sechzig bei einigen Vertragsverhandlungen noch zögerlich agiert. Bei den Spielern beispielsweise, deren Arbeitspapiere sich mit einem Aufstieg automatisch verlängert hätten. Sean Dulic und Sigurd Haugen haben zwar noch Vertrag, dürften aber beide schwer zu halten sein bei den Löwen. Kommen entsprechende Angebote – an Interessenten mangelt es nicht –, dürfte 1860 finanziell kaum in der Lage sein, die beiden Spieler in Giesing zu halten.

Denn die Finanzierung der Folgesaison dürfte sich noch schwieriger gestalten als in den kommenden Jahren. Hasan Ismaik hat die Lust an 1860 endgültig verloren, dürfte die Geldschatulle nicht allzu weit öffnen im Sommer. Interessenten gab es im vergangenen Jahr nach Informationen unserer Zeitung immer wieder, so richtig ernst wurde es allerdings selten. Ändert sich daran nichts, wird das Budget deutlich heruntergeschraubt werden. An Aufstiegskampf dürfte dann kaum zu denken sein.

Auch deshalb blicken viele Löwenfans heute gespannt auf das Landgericht München. Dort wird um 11 Uhr das Urteil im Rechtsstreit zwischen 1860 und Ex-Geschäftsführer Oliver Mueller gesprochen. Im Saal 601 geht es um eine mittlere sechsstellige Summe, die Mueller einfordert. Geht es in diese Dimensionen, wäre es der nächste Tiefschlag dieser traurigen Löwenwoche.MARCO BLANCO UCLES

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