Ein Tölzer entnervt die Münchner

von Redaktion

Mannheims Torhüter Maxi Franzreb schreibt die Geschichte des ersten Halbfinalspiels

Und dann fällt das Tor auf der anderen Seite: Marc Michaelis feiert den Siegtreffer für Mannheim. © IMAGO/Daniel Meyer

Mannheim/München – Manuel Neuer ist der beste deutsche Torhüter? Von wegen. Das ist Maximilian Franzreb.

Neuer ist Fußballtorwart, Franzreb ist Eishockeytorwart. Wie kann man das in einem Zusammenhang setzen?

Franzreb, 29, gebürtiger Tölzer und seit dieser Saison Goalie bei den Adlern Mannheim, hat sich am Mittwochabend mal wieder in seiner Eishockeyrolle bewährt, ist oft auf den Knien gewesen, hat mit seinen Beinschienen Scheiben abgewehrt und die Ecken seines Gehäuses dichtgemacht. Ein Gummimann, wie man das in dieser Branche sein muss. Aber er hatte auch den Fußballmoment. In der Verlängerung des ersten Playoff-Halbfinalspiels gegen den EHC Red Bull München wechselte Franzreb kurz die Sportart, als Patrick Hager in kurzer Distanz vor ihm auftauchte und zum Abschluss kam. Franzreb hechtete durchs Tor, mit dem Stockhandschuh wehrte er den Puck zur Seite ab. Ein „Den hält nur Neuer“ in der Eishockey-Version.

Es war nicht nur diese Parade in diesem Moment, sondern noch einige Taten darum herum. Mit einem 2:2 nach sechzig Minuten war die Partie in der Mannheimer SAP Arena in die Verlängerung gegangen, und die Gäste aus München setzten gewaltig Druck auf. Ihr Trainer Oliver David versuchte sich hinterher an einer zeitlichen Einordnung: „Das waren zwei, drei großartige Minuten.“ Der Mannheimer Coach Dallas Eakins sagte: „Gefühlt waren es dreißig Minuten, die sich München in unserer Zone festsetzte. Eine Ewigkeit.“ Die meisten DEL-Mannschaften wären im Dauerfeuer des EHC kollabiert. „Doch Franzreb und die Jungs vor ihm haben wirklich alles Mögliche gemacht, um den Puck vom Netz fernzuhalten“, so Oliver David leidvoll. „Wir waren in der Lage, das zu überleben“, kommentierte hingegen Dallas Eakins aus seiner Sicht erfreut. Und erzählte die Geschichte weiter: „Wir sind sehr glücklich, dass wir aus diesem Spiel mit einem Sieg herausgegangen sind. Nur das zählt.“ Als die Adler Mannheim sich befreit hatten, gelang ihrem Kapitän Marc Michaelis der Siegtreffer: 3:2 in der insgesamt 73. Minute. Dadurch geht der Zweite der Hauptrunde mit einer 1:0-Führung in Akt zwei der Best-of-Seven-Serie am Freitag (19 Uhr) im Münchner SAP Garden. Eakins sagt, er erwarte „eine lange Serie mit zahlreichen Overtimes.“

Aber den Druck hat jetzt erst einmal München. Und Mannheim die Chance auf das 2:0. Das letzte Punktspiel gewannen die Adler (4:2), sie sind personell komplett, nachdem Anthony Greco und Kris Bennett zurückgekehrt sind, und wie sie späte Gegentore (München traf in der 20. und 39. Minute) verkrafteten und mit dem Siegtreffer schließlich ihre Arena anzündeten (Stürmer Justin Schütz, der Ex-Münchner: „Das war unfassbar laut“), lässt sie mit dem Gefühl, das Momentum zu haben, in Spiel zwei gehen. Während es den EHC beschäftigt, dass er im zweiten Drittel aus seinen Powerplays nichts machte.

Vorige Saison trafen München und Mannheim im Viertelfinale aufeinander, der EHC scheiterte in einer 2:4-Serie am damaligen Adler-Torhüter Arno Tiefensee, der jetzt in den USA spielt. Maxi Franzreb, der bis vor fünf Jahren überwiegend Zweitliga-Jobs hatte, kam aus Bremerhaven als Tiefensees Nachfolger. „Er wird immer noch unterschätzt“, so Dallas Eakins, „für mich sticht er aber unter den deutschen Torhütern heraus“. Dass er bei Olympia ein Spiel bekam (das 1:5 gegen die USA), „war eine großartige Erfahrung für ihn.“

Das Manuel-Neuer-Spiel am Dienstag im Madrid hat Maxi Franzreb übrigens nicht angeschaut. Er bereitete sich auf sein Spiel vor.GÜNTER KLEIN

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