Kalt ist cool: Finn Springborn und Annika Morgan mögen es winterlich. © Kia Deutschland
Und unten rauscht der Eisbach: Snowboarderin Annika Morgan auf dem Balance Board. © ulk
Über den Wellen: Kaltwassersurfer Finn Springborn (30) aus Flensburg. © Insta
Über den Wolken: Slopestyle-Ass und Olympiateilnehmerin Annika Morgan (24) aus Mittenwald. © Blackwell/dpa
München – Unten rauscht der Eisbach, oben fegt ein Schneesturm über die Dachterrasse des „OutOfOffice“. Wintereinbruch kurz vor Ostern – und zwei gegensätzliche Sportler fühlen sich auf Anhieb wie zu Hause. Hinter Snowboarderin Annika Morgan (24) tanzen die Schneeflocken – und auch Kaltwassersurfer Finn Springborn (30) ist in seinem Element, wenn die Natur anzieht.
Die eine kommt aus Mittenwald, dem südlichsten Zipfel der Republik. Der andere aus Flensburg, ganz oben im Norden. Zwei Enden Deutschlands – verbunden über ein Brett.
Nur: An diesem Nachmittag stehen beide nicht im Sturm. Sondern in einem warmen Raum hoch oben über dem Münchner Eisbach. Der Gastgeber: Kia. Die Idee: Brettertausch der beiden Markenbotschafter. Zwei Welten, ein Mindset.
Gegen die Leere nach Olympia? Zwei Tage putzen – dann wieder rauf aufs Board
Weil der Eisbach zum Zeitpunkt des Treffens nicht surfbar ist, steht ein Balance Board bereit. Morgan steigt drauf, als wäre es ihr natürliches Habitat. Kaum ein Wackler, kaum ein Zögern. „Am Ende geht’s immer um Fokus, Training und Präzision“, sagt sie entspannt. Springborn schaut zu – und erkennt sich wieder. „Man muss sich immer auf neue Situationen einstellen.“ Wasser oder Schnee, Welle oder Kante: Der Körper reagiert, der Kopf entscheidet.
Nach einem langen Trainingstag? „Wenn’s gut lief: Musik laut“, sagt Morgan. „Wenn nicht: komplette Stille.“ Springborn entspannt gerne am Steuer: „Das Auto ist wie eine Verlängerung vom Wohnzimmer.“ Morgan nickt. Bei den Olympischen Spielen 2026 in Livigno raste sie im Slopestyle auf Rang vier – bestes Ergebnis der deutschen Snowboarder. Ein Lauf auf Messers Schneide, nur die Winzigkeit von 7,2 Punkten trennte sie von Edelmetall.
Und nach den Spielen? Was half ihr gegen die Leere? „Ich bin heim, habe erst mal zwei Tage gar nichts gemacht. Mir war so langweilig, dass irgendwann alles geputzt war.“ Kurze Pause. Lächeln. „Und dann bin ich wieder Snowboarden gegangen. Eineinhalb Wochen lang – nur zum Spaß.“ Kein Druck, keine Bewertung. Einfach shredden und sich frei fühlen.
Auch auf dem Balance Board zeigt sich: Morgan ist keine Draufgängerin. „Ich bin eher vorsichtig. Adrenalin ist gut – aber nicht zu viel.“ Vor Wettkämpfen reduziert sie alles auf das Wesentliche. „Ich tue am liebsten so, als wäre es ein normaler Trainingsrun.“ Früher lief dabei Techno in Dauerschleife. Heute hat sie lieber Stille um die Ohren: „Damit ich besser visualisieren kann.“
Springborns Welt ist weniger planbar. „Surfen ist das Schlechteste, wenn du einen strukturierten Alltag willst“, sagt er. „Du planst – und dann ist doch alles anders.“ Seine Realität: suchen, hoffen – warten auf die perfekte Welle. „90 Prozent Vorbereitung, 10 Prozent Surfen.“ Und die Kälte? „Sobald man im Wasser ist, fühlt es sich gar nicht mehr kalt an.“ Nur davor, auf dem Parkplatz, wenn der Neoprenanzug noch nass ist, kommen die Zweifel: „Da denkst du dir schon: Warum mache ich das eigentlich?“
Was beide eint: Sie reizen Grenzen aus – aber sie überschreiten sie nicht blind. „Man tastet sich ran“, sagt Springborn über neue Wellen. Morgan ergänzt: „Gerade abseits der Piste muss man vorsichtig sein.“ Abenteuer ja. Leichtsinn nein. Denn leicht ist hier gar nichts. „Viele denken, wir trainieren im Sommer nicht“, sagt Morgan. „Aber wir sind viel im Gym und springen auf Airbags.“ Disziplin sei keine Selbstverständlichkeit gewesen. „Das habe ich erst spät gelernt.“
Springborn kämpft mit anderen Unsicherheiten: stundenlange Fahrten, leere Sessions, keine Wellen. „Manchmal bist du unterwegs – und am Ende passiert gar nichts.“
Dafür vergeht die Zeit beim Plausch über Naturgewalten und Körpergefühl umso schneller. Nach einem intensiven Austausch steht Morgan immer noch auf dem Balance Board. Ruhig, stabil, spielerisch leicht. Am nächsten Tag wird Springborn im Schneetreiben am Stubaier Gletscher stehen. Brettertausch wie abgemacht. Raus aus seiner Komfortzone.
Zwei Sportler, zwei Extreme – und doch ein gemeinsames Gefühl: Balance. Auf dem Brett wie im Leben.ULI KELLNER