Bezwingt Pogacar die Hölle?

von Redaktion

Paris-Roubaix fehlt dem Dominator noch – doch Favorit ist wieder ein anderer

Die bekannten Duschen im Vélodrome. © IMAGO

Tadej Pogacar stimmte sich bei einer Trainingsfahrt schon mal auf das Kopfsteinpflaster ein. © De Meuleneir/Imago

Feuer frei: Mathieu van der Poel (mitte) siegte dreimal in Serie bei Paris-Roubaix. Da musste selbst Tadej Pogacar (l.) zuschauen. © Kalut/Imago

Paris – Zweimaliger Weltmeister, Europameister, viermaliger Tour-de-France-Sieger: Rad-Star Tadej Pogacar hat in seiner Karriere schon so gut wie alles gewonnen. Nur wenige Siege bei den großen Rennen und Rundfahrten fehlen. Darunter aber die Königin der Klassiker, die dem aktuell wohl besten Profi noch in der reichhaltigen Trophäensammlung fehlt.

„Es ist kein Geheimnis, dass Paris-Roubaix eines der großen Ziele für diesen Teil der Saison ist“, sagte Pogacar vor seiner zweiten Teilnahme bei dem Klassiker.

Von den fünf bedeutendsten Rad-Klassikern – den sogenannten Monumenten – hat der 27-Jährige vier mitunter mehrmals gewonnen. Aber die „Hölle des Nordens“ fehlt ihm noch. Seine Form könnte kaum besser sein, erst am vergangenen Sonntag gewann er die Flandern-Rundfahrt.

Was macht das Rennen so anspruchsvoll?

Paris-Roubaix gehört auch ohne Berge zu den anspruchsvollsten Herausforderungen im Radsport. Schließlich geht es von den 258,3 Kilometern insgesamt 54,8 Kilometer verteilt auf 30 Sektoren über das harte Kopfsteinpflaster Nordfrankreichs. Die mittelalterlichen Landwege sind teils matschig und dreckig – gerade bei Regen eine explosive Mischung. Berühmt sind die Bilder von malträtierten und mit Staub bedeckten Radprofis.

Nördlich von der französischen Hauptstadt Paris aus schlängelt sich das Rennen von Compiègne Richtung Roubaix nahe der Stadt Lille und endet im geschichtsträchtigen Vélodrome, einer alten Radrennbann auf Beton.

„2021 war ich bei dem nassen Rennen mit dabei, als es komplett geregnet hat. Das war völlig gestört, weil man da eigentlich überhaupt keine Kontrolle mehr hatte“, sagt der einstige Roubaix-Sieger John Degenkolb. Bisher haben zwei Deutsche gewonnen: Josef Fischer 1896 und Degenkolb 2015.

Achtung: Kopfsteinpflaster!

„Die Vibrationen, die der Körper dort aushalten muss, die sind wirklich stark“, sagte Degenkolb und sprach von einem „absoluten Härtetest für Mensch und Maschine“. Mit breiteren Reifen, weniger Luftdruck und einer anderen Lenker-Einstellung versuchen die Profis, der Tortur zu trotzen.

Was für den gebürtigen Thüringer erschwerend hinzukommt: 2025 wurde er von einem schweren Sturz zurückgeworfen, dabei zog er sich Brüche im Handgelenk, Unterarm, Ellenbogen und Schlüsselbein zu, die teils mit Schrauben und Platten fixiert werden mussten. „Die Tests, die wir jetzt gemacht haben vorher, die haben alle gut funktioniert. Aber da habe ich schon gemerkt, dass das Handgelenk extrem ans Limit gekommen ist und dass ich da auch mehrere Tage danach auch noch Schmerzen habe.“

Auf dem Kopfsteinpflaster haben vor allem Profis mit guter technischer Beherrschung klare Vorteile. Der niederländische Vorjahressieger Mathieu van der Poel, der schon dreimal in Roubaix erfolgreich war, gilt erneut als Topfavorit auf den Sieg.

Legendäre Duschen

Die in den 1940er-Jahren gebauten und spartanischen Sanitäranlagen sind immer wieder Quelle atemberaubender Fotos, wenn sich die Radprofis nach einem harten Tag von Schlamm und Staub befreien. Jedem Sieger ist darin ein Messingschild gewidmet. „Neben all diesen großen Namen einfach seinen eigenen Namen da zu sehen, ist schon etwas Besonderes“, schwärmt Degenkolb, der weiter zielsicher sein Schild findet.DPA

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