„Diese Bühne ist der Wahnsinn für mich“

von Redaktion

Simon Zachenhuber aus Erding über seinen Vorkampf bei Tyson Fury im Fußballstadion in London

Der Blickfang, die Hauptfigur: Tyson Fury. © AFP/SHEPHEARD

Zachenhubers Kampf läuft live bei YouTube. © Privat

Neulich war hier noch Champions League: Am Samstag wird das Tottenham Hotspur Stadium zur Boxarena. © AFP/Tallis

„Ein wichtiger Schritt in meiner Karriere“: Simon Zachenhuber bestreitet seinen 29. Profikampf. Bisher konnte er alle seine Fights gewinnen. © IMAGO/Torsten Helmke

London/München – Die Boxwelt blickt am Samstag nach London. Im Fußball-Stadion der Tottenham Hotspurs wird Tyson Fury (37), die große Reizfigur des Schwergewichts, mal wieder ein Comeback geben. Auf der Undercard des von Netflix übertragenen Mega-Events findet sich auch ein deutscher Name: Simon Zachenhuber. Der 27-jährige Erdinger, der alle seine 28 Profikämpfe gewann, tritt im Supermittelgewicht gegen den Engländer Pawel August (30) an.

Hallo Simon, sind Sie Tyson Fury schon begegnet?

Ja, ich habe ihn gesehen. Man läuft hier den Weltstars über den Weg. Beim Medientag, bei den Shootings oder beim von Netflix inszenierten Grand Arrival. Ich bin aber nur kurz über den roten Teppich, aus der Party habe ich mich schnell rausgezogen, der Sport steht für mich im Vordergrund. Es hätte Supersachen zum Essen gegeben, da merkt man, dass beim Kampfabend viele Schwergewichtler am Start sind. Ich musste mir das Zugreifen verkneifen, weil ich im Gewicht bleiben musste, und habe lange Zähne bekommen.

Wie kamen Sie überhaupt ins Fury-Programm?

Eingefädelt hat das Ganze der Promoter, der auch mit Agit Kabayel (deutscher Schwergewichtler, Interimsweltmeister, d. Red.) arbeitet, Spencer Brown. Bei ihm habe ich unterschrieben. Eine Woche danach kam der Anruf, er fragte: ,Bist du bereit für den größten Kampf deines Lebens?‘

Das sollte zunächst ein anderer sein. Als Gegner in London vorgesehen war Troy Williamson, und es sollte um die Europameisterschaft gehen.

Im Boxen kommt es leider manchmal zu kurzfristigen Wechseln des Gegners. Es geht immer um einen Kampf, es ist nicht so, dass zwanzig Leute zu einem Turnier zusammenkommen. Eine Verletzung kann einen Kampf platzen lassen – oder in diesem Fall eine vertragliche Verpflichtung: Troy Williamson hatte im Dezember gegen Callum Simpson gewonnen, das hat ihm enorme Aufmerksamkeit verschafft. Allerdings gab es im Vertrag eine Rückkampfklausel, eine Klage stand im Raum, wenn er jetzt gegen mich angetreten wäre. Troy durfte nicht boxen, obwohl er bereit gewesen wäre, doch ein ungeschlagener Engländer springt ein.

Was macht das mit Ihnen?

Ich fühle mich normal, wie immer, ich bin nicht übernervös. Die Erfahrung, die ich durch 28 Kämpfe gesammelt habe, macht sich bemerkbar. Damit kann man sich auf eine solche Situation einstellen.

Pawel August, Ihr neuer Gegner, ist gebürtiger Pole.

Er ist in England aufgewachsen und sieht sich selbst als Engländer. Er wird vom Publikum unterstützt werden. Er hat zuletzt vor zwei Monaten geboxt, ist also in Form, er ist auch gut ausgebildet, aber hat noch nicht die Kaliber geboxt, die ich schon hatte. Für ihn geht es um alles oder nichts, für mich aber auch. Es ist eine Konstellation, die der Bühne würdig ist.

Erahnen Sie, was Sie in einem Fußballstadion erwartet?

Im Freien habe ich noch nicht geboxt, zumindest nicht im Wettkampf. Der Ring ist am Ende der gleiche – wobei: Es wird ein größerer sein, weil viele Schwergewichte boxen. Das ist mir aber ganz recht. Wie werde ich mich vorbereiten? Ich werde es visualisieren, die Situationen im Kopf durchspielen. Die Lockerheit darf man nicht verlieren, nur weil es ein großes Stadion ist und dort eine besondere Energie herrscht. Die maximale Anzahl an Zuschauern, die ich bisher erlebt habe, waren 6000, das verzehnfacht sich, ich muss gegen die englischen Fans antreten. Aber aus München kommt ein Flieger mit meinem Fan-Club, das macht mich stolz.

Sie werden wohl noch bei Tageslicht drankommen.

So zwischen 18 und 20 Uhr. Wäre der Kampf gegen Troy Williamson, wäre ich in der Netflix-Übertragung gewesen. Doch die abgespeckte Version ist noch besser. Mein Kampf wird live und frei verfügbar bei YouTube laufen, auf dem Kanal des ,The Ring Magazine‘, der Boxbibel. Dass ich das erste Mal auf einer solchen internationalen Bühne stehe, ist der Wahnsinn für mich. Es ist der richtige Schritt.

Was denken Sie über Tyson Fury, der niemanden kalt lässt?

Ich denke, er braucht den Wettkampf und den Nervenkitzel, er hat einfach Hummeln im Hintern und kommt daher immer wieder zurück. Ich kann daran nichts Schlechtes finden.

Schauen Sie den Hauptkampf später am Abend an?

Auf jeden Fall. Ich werde weit vorne am Ring sitzen.

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11