Fünf Scorerpunkte – als Verteidiger

von Redaktion

Moritz Seider setzt Maßstäbe in der NHL – Detroits Playoff-Traum lebt noch

Der Riese in der Abwehr der Red Wings: Moritz Seider ist auch im Spiel nach vorne stark. © AFP/NIC ANTAYA

Detroit – Moritz Seider redete über seinen Kapitän, seinen Torwart, die schlechte Presse der letzten Wochen. Nur über seine eigene historische Leistung sprach der deutsche NHL-Star nicht. Er wurde gar nicht danach gefragt. Dass der Eishockey-Nationalspieler gerade als erster Verteidiger der Detroit Red Wings seit 41 Jahren einen Clubrekord eingestellt hatte, hatte offenbar niemand auf dem Zettel.

Selbst die schwedische Vereinslegende Nicklas Lidström, die viermal den Stanley Cup nach Motown holte, schaffte nicht, was Seider beim 6:3-Sieg gegen die Philadelphia Flyers gelang – fünf Scorerpunkte in einer Partie. Mit einem Treffer und vier Vorlagen trug der 25-Jährige in seinem 407. Spiel in Folge seit seinem Debüt maßgeblich dazu bei, dass Detroit im Rennen um die Playoffs bleibt. Drei Spiele vor Schluss beträgt der Rückstand einen Punkt.

„Wir brauchen sechs weitere Punkte“, sagte Seider, „dann sehen wir, wo wir landen.“ Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass sich die traditionsreiche Franchise in „Hockeytown“ zuletzt für die Playoffs qualifizierte. Es ist die längste Durststrecke in der 100-jährigen Clubgeschichte. Da sind persönliche Bestmarken wie inzwischen 60 Scorerpunkte in dieser Spielzeit oder die Einstellung eines Vereinsrekords eher zweitrangig. „Wir wollen diese Saison nicht wegschmeißen“, sagte Seider, „das alles soll etwas bedeuten.“

Er knöpft den Club-Legenden die Rekorde ab

Dass der ehemalige Mannheimer als erster Detroit-Abwehrspieler seit Reed Larson 1985 an fünf Toren beteiligt war, ging ein wenig unter, weil Kapitän Dylan Larkin ein Dreierpack gelang – und Torhüter John Gibson Mitte des zweiten Drittels verletzt ausschied. Auch die harsche Kritik der Medien an den zuletzt schwächelnden Red Wings kam im Interview mit den Reportern in der Kabine zur Sprache („So kriegt ihr eure Überschriften“). Nur Seiders außergewöhnliche Leistung nicht.

Der Vizeweltmeister von 2023 stellte nicht zum ersten Mal die Clubikone Lidström in den Schatten. Schon Anfang 2025 hatte er den Schweden mit damals 284 Spielen am Stück zum NHL-Karrierestart überholt, inzwischen hält er in dieser Kategorie den Clubrekord. Ebenso wie seit Donnerstagabend zusammen mit drei anderen die Verteidiger-Bestmarke in einem Spiel. Nur einer von ihnen gewann allerdings mit Detroit den Stanley Cup – der legendäre Red Kelly in den Fünfzigerjahren gleich viermal. Genauso oft wie Lidström um die Jahrtausendwende.

Hat die NHL überhaupt einen kompletteren Verteidiger?

Dass Seider selbst inzwischen zu den besten Verteidigern der NHL gehört, ist kein Geheimnis. Einige Fachleute halten ihn gar für den komplettesten Abwehrspieler der Liga. Als „Alleskönner im Zwei-Wege-Spiel“ bezeichnete ihn Statistik-Guru Dom Luszczyszyn vom Portal The Athletic. Und auch sein Trainer Todd McLellan schwärmte nach Seiders Rekordgala: „Er macht alles, und er macht es alles die meiste Zeit gut. Es ist beeindruckend, was er in seinem Alter schon erreicht hat.“SID

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