Die Bayern haben in dieser Saison zweifellos viele Stärken: Sie grüßen vom ersten Tabellenplatz, haben die beste Hinrunde der Bundesligageschichte gespielt und nun auch noch den fast 55 Jahre alten Torrekord aus der Saison 1971/72 geknackt.
Dabei glänzen Torwart wie Stürmer, Sechser wie Flügeldribbler. Die größte Stärke in dieser Spielzeit liegt aber im Auftreten neben dem Platz. Der FC Bayern hat sich – angetrieben von Vincent Kompany – eine neue Demut erarbeitet, die auf mehrere Weisen hilfreich ist. Zunächst einmal sorgt der Trainer mit seinen zurückhaltenden Statements anstelle von markigen Ansagen für Ruhe im Club und eine gesenkte Erwartungshaltung. Erfolge sind das Ergebnis harter Arbeit und kein gottgegebenes Naturrecht, selbst beim deutschen Rekordmeister – mit dieser Haltung lässt Kompany den Verein deutschland- und europaweit sympathisch auftreten.
Gleichzeitig schärft eine gewisse Demut aber auch die Sinne. Bestens zu sehen war das in dieser Woche. Nach dem dominanten Erfolg im Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid gab es kaum Stimmen, die mit dem Ergebnis zufrieden waren und schon Ansagen Richtung Halbfinale machten. Vielmehr warnten Jan-Christian Dreesen, Max Eberl und am Wochenende auch Karl-Heinz Rummenigge weiter vor den Königlichen. Der Tenor: Selbst wenn Real neben dem Duell in der Champions League auch die zwei Generalproben in der Liga nicht gewann (letzte Woche 1:2 gegen Mallorca verloren, diesen Freitag nur 1:1 gegen Girona), sind die Madrilenen immer gefährlich.
Den Fehler, Real mit zu selbstbewussten Ansagen nur noch mehr zu reizen und die Fallhöhe für ein immer noch mögliches Ausscheiden zu erhöhen, machte keiner der Spieler und Verantwortlichen.
Und so geht der FC Bayern nun mit einer guten Mischung aus Demut und Selbstvertrauen in diese elementar wichtige Woche, in der er den ersehnten Einzug ins Halbfinale festmachen kann. Klar ist: Auch danach wird man von Kompany & Co. keine Titel-Ansagen hören.