TSV 1860

Haugen-Show gegen den Jahn

von Redaktion

Stürmer-Doppelpack bei munterem 2:2 – Jacobsen verschießt Elfmeter

Dampfmacher: Althaus legte als Maier-Ersatz einen bärenstarken Auftritt hin. © IMAGO

Unwiderstehlich: Doppelpacker Sigurd Haugen. Vor seinem Tor zum 1:0 ließ er fünf Regensburger stehen, ehe er cool abschloss. © IMAGO / Oryk HAIST

München – Nieselregen, einstellige Temperaturen am Sonntagabend – der Rahmen passend zur Stimmung, die beim TSV 1860 seit dem 0:3 in Cottbus deutlich abgekühlt ist. Nach dem K.o. im Aufstiegskampf blieben auch mehr Sitzschalen als sonst unbesetzt. Auf dem Platz war vom Spannungsabfall allerdings wenig zu spüren: Sangesfreudige Fanlager, dazu zwei Mannschaften, die das Spiel seriös angingen und sich einen intensiven Derbyfight lieferten – so gut es der regendurchtränkte Rasen zuließ. 2:2 (1:2) hieß es am Ende – ein Unentschieden, das keinem der beiden Teams hilft, aber das war mit Blick auf die Tabelle schon vor dem Spiel klar.

Zu Beginn der Osterferien trafen beide Teams bereits im Totopokal aufeinander. Der glückliche 1:0-Sieg der Löwen und der damit verbundene Finaleinzug linderten einigen Schmerz, den Regensburg dem alten Rivalen in der Vergangenheit zugefügt hatte. Nicht verheilt ist jedoch die 0:4-Klatsche aus dem Hinspiel – auch wenn Trainer Markus Kauczinski einige der damals gezogenen Schlüsse revidierte. Philipp Maier, seit dem 9. November Stammspieler, stand diesmal nicht einmal im 20er-Kader. Dafür kehrte Florian Niederlechner nach längerer Pause in die Startelf zurück – in Regensburg hatte die Leidenszeit des stürmenden Löwen-Fans begonnen.

Vor allem aber wirkte das 0:3 in Cottbus nach: Danhof, Schifferl und Steinkötter nahmen zunächst auf der Bank Platz. Lippmann fehlte ebenso wie Maier im Kader – um den Youngster mit auslaufendem Vertrag ranken sich Wechselgerüchte. Neu im Team: Samuel Althaus, Lasse Faßmann, Marvin Rittmüller und Manuel Pfeifer – für das Dauersorgenkind auf der linken Außenbahn war es der erste Einsatz in der Rückrunde. Insgesamt also die halbe Mannschaft umgebaut. Manchmal lässt eine Aufstellung tiefer ins Trainerseelenleben blicken als jede Ausführung auf der Pressekonferenz.

In einer unterhaltsamen ersten Hälfte ging es vom Anpfiff weg hin und her – mit optischen Vorteilen für die Gastgeber. Auffälligster Löwe war Althaus, der als Maier-Ersatz hingebungsvoll kämpfte, kaum einen Zweikampf ausließ und auch das Offensivspiel ankurbelte. Seine erste Chance setzte er knapp über den Balken.

Chancen gab es auf beiden Seiten, und dass die Löwen zur Pause mit 1:2 hinten lagen, gab den Spielverlauf nur unzureichend wieder. Sigurd Haugen traf nach 28 Minuten zur Führung – nach einem unwiderstehlichen Solo an gleich mehreren Gegenspielern vorbei, Abschluss in die lange Ecke. Dem Jubel aus der Löwen-Kurve folgte wenig später Gelächter: Benedikt Bauer jagte einen Ball aus Kurzdistanz über die Latte. Zwei Kollegen machten es besser: Mältzer per Kopf zum Ausgleich, Philipp Müller kurz vor dem Pausenpfiff zum 1:2. Die ersten 1860-Fans hatten sicher schon wieder gerechnet – doch auf die Abwehr ist seit einigen Spielen kaum noch Verlass.

Mit Schifferl für den angeschlagenen Reinthaler ging es nach der Pause weiter. Gleiche Intensität im Spiel – und die Löwen auf Wiedergutmachungskurs. Niederlechner, geschickt von Haugen, wurde von Gebhardt gefällt. Ein Fall für Thore Jacobsen, der in dieser Saison jeden Strafstoß verwandelt hat. Gestern nicht. Gebhardt hatte die Ecke geahnt und auch den Nachschuss pariert. Wurm auf der Linie klärte endgültig. Glück für den Jahn – und die Löwen blieben am Drücker.

Haugen – wer sonst? – war es, der 1860 vor einer weiteren Ligapleite gegen den Jahn bewahrte. Nach einem Vorstoß von Althaus köpfte er zum Ausgleich ins Netz. Die beiden besten Löwen retteten den Abend, der am Ende kurzweiliger war, als von vielen ferngebliebenen Fans erwartet.ULI KELLNER

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