Selbstvertrauen getankt: Jamal Musiala. © Charisius/dpa
Kommt ein Musiala geflogen: Bayerns Edeltechniker köpfte zum 1:0 ein gegen St. Pauli. © Sudheimer/EPA
München – Die Freude stand Jamal Musiala ins Gesicht geschrieben: Der Dribbler durfte beim Auswärtsspiel gegen St. Pauli von Beginn an ran, um weitere Spielpraxis zu sammeln. Schließlich, das zeigten die letzten Wochen, war Musiala noch nicht bei seinem alten Leistungsniveau angekommen – in Hamburg merkte man davon aber nicht viel.
Denn Musiala forderte die Bälle wie zu besten Zeiten vor seiner schweren Verletzung im Sommer bei der Club-WM, dribbelte sich durch die Abwehrreihen und erzielte per Kopf das 101. Tor in dieser Saison, das gleichzeitig den Torrekord aus der Saison 1971/72 einstellte. Zur Belohnung tätschelten die Mannschaftskollegen ihm liebevoll den Schädel und Max Eberl lobte: „Die Verletzung ist nicht so einfach aus den Knochen zu schütteln. Das bedarf Zeit“, so der Sportvorstand. „Bei Jamal geht es ums Gefühl. Heute hat er eine gute Leistung gebracht und macht das 1:0. Genau diese Momente braucht er, um wieder in den Flow zu kommen.“
Musiala gab damit eine Antwort auf dem Platz, nachdem er in der letzten Woche öffentlich von Oliver Kahn aufgefordert wurde, die WM im Sommer abzusagen. „Er sollte auf eine Teilnahme bei der WM verzichten. Wenn ich spüre, dass etwas in meinem Spiel nicht stimmt, dann muss ich an mir arbeiten, wieder bereit zu sein“, sagte Kahn bei Sky.
Dieser Forderung widersprach Musiala dann in aller Deutlichkeit: „Auf jeden Fall will ich zur WM!“, sagte der Bayern-Star nach der Partie. „Mein Fokus liegt jetzt auf der restlichen Saison mit dem FC Bayern, wo ich alles tun will, um der Mannschaft zu helfen. Dann ist mein Fokus, dem Land und der Mannschaft zu helfen.“
Ähnlich sah es Vincent Kompany, der Kahns Worte in seiner typischen Art mit einem Schmunzeln abtat: „Ich habe Oliver Kahn einmal im Training gesehen. Das war Wahnsinn. Der wäre mit einem gebrochenen Arm und gebrochenem Fuß zur WM geflogen.“
Fußballdeutschland kann sich also auf Musiala bei der WM freuen – hoffentlich in einer ähnlichen Form wie gegen St. Pauli.VINZENT TSCHIRPKE