Abpfiff für ein Vereinsidol: Steffen Baumgart, einst schon Spieler bei Union, ist seinen Trainerjob los. © H. Langer / dpa
Alte Bekannte: Marie-Louise Eta kennt das Team von Union Berlin. Die U 19-Trainerin hatte bereits 2024 als Co-Trainerin ausgeholfen. © IMAGO / Uwe Koch
Berlin – Nach dem überraschenden Aus von Steffen Baumgart steht 1. FC Union Berlin vor einer historischen Premiere: Marie-Louise Eta wird beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg erstmals als Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga an der Seitenlinie stehen. Nach der 1:3-Niederlage am Samstag beim 1. FC Heidenheim hatten sich die Köpenicker etwas überraschend von Steffen Baumgart getrennt. Das erste Training am Sonntag leitete noch Assistent Sebastian Bönig, doch am Samstag übernimmt die 34-Jährige offiziell.
„Ich freue mich auf diese Aufgabe und bin überzeugt, dass wir die nötigen Punkte holen“, sagte Eta. Ihr Aufstieg sorgt europaweit für Aufsehen – eine Frau als Cheftrainerin ist auch in den Topligen ein Novum. Bereits 2023/24 hatte sie als erste Co-Trainerin in Bundesliga und Champions League Geschichte geschrieben.
Als Spielerin gewann Eta mit 1. FFC Turbine Potsdam mehrere Titel, darunter 2010 die Champions League. Nach frühem Karriereende wechselte sie auf die Trainerbank, zuletzt betreute sie die U 19 von Union. Intern genießt sie großes Vertrauen, die Beförderung kommt daher nicht völlig aus dem Nichts.
Die Trennung von Baumgart kommt dennoch überraschend. Fünf Spieltage vor Schluss liegt Union komfortabel vor den Abstiegsrängen, ein Sieg gegen Wolfsburg könnte die letzten Zweifel beseitigen. Umso rätselhafter wirkt der Schritt – zumal Baumgarts Vertrag erst im Januar vorzeitig verlängert worden war.
Ausschlaggebend war letztlich die sportliche Talfahrt: Zwei Siege aus 14 Spielen seit der Winterpause ließen laut Geschäftsführer Horst Heldt die Hoffnung auf eine Trendwende schwinden. Auch seine Transferpolitik steht zunehmend in der Kritik, es ist bereits die dritte Trainersuche in kurzer Zeit.
Mit Eta gewinnt Union nun Zeit – und vielleicht mehr. Eigentlich soll sie im Sommer das Frauenteam übernehmen, doch starke Auftritte in den verbleibenden Spielen könnten die Rollenverteilung noch einmal verändern. Die Chance auf eine dauerhafte Lösung steht im Raum – und mit ihr ein weiteres Kapitel Fußballgeschichte.DPA, SID