Explosives Plakat: Ein beleidigter EHC-Fan schmähte Schütz. © eiszeit.fm/Bluesky
Explosiver Jubel: Justin Schütz schlug auch am Sonntag gegen den EHC München zu, sogar zweimal. © Udo Herrmann/Imago
Mannheim – Justin Schütz erlebte das „perfekte Wochenende“, so nannte er es selbst. Der Höhepunkt im privaten Bereich: „Am Samstag bin ich Onkel geworden“ – über seinen Bruder. Dann zum Sport. Erfreulich aus seiner Sicht als Fußballfan: „Schalke hat gewonnen.“ Und dann aus seiner Perspektive als Eishockeyprofi der Adler Mannheim: Er entschied zwei Halbfinalpartien seines Teams gegen den EHC Red Bull München. Am Freitag gelang ihm das Overtime-3:2 im SAP Garden, am Sonntag beim 4:1 fälschte er den Puck entscheidend zum 1:0 ab („Habe ich erst danach erfahren, ich wusste gar nicht, dass ich dran war“), sein 2:1 war der „Game Winner“. Patzer in der Münchner Abwehr, er schaltete schnell. Mitspieler Tom Kühnhackl bewundernd: „Schützi haut die Dinger rein.“
Schütz (25) hat einen großen Anteil daran, dass die Münchner nach drei Spielen der Best-of-Seven-Serie mit 0:3 in Rückstand geraten sind und vor dem Playoff-Aus und somit Saisonende stehen. Das schmerzt grundsätzlich – und in Kreisen der Anhängerschaft noch mehr, weil man den Namen Justin Schütz immer mit dem Zusatz versieht: „Der Ex-Münchner“. Mit 14 war der gebürtige Kasseler in die Red-Bull-Akademie eingetreten, nach seiner Ausbildung spielte er vier Jahre für den EHC in der DEL.
Dass er 2023 ging (zuerst nach Köln, 2025 weiter nach Mannheim), wird dem schnellen Außenstürmer offensichtlich noch immer übel genommen. Am Freitag „begrüßte“ ihn in der Münchner Halle ein Plakat mit durchgestrichenem Konterfei und der Bezeichnung als „Wanderhure“. Hat er es überhaupt wahrgenommen? „Natürlich sieht man das“, sagt er unserer Zeitung, „aber man kann das weglachen. Und am Ende hing es da auch nicht mehr.“ Es war, wie sich herausstellte, keine konzertierte Aktion der Fanszene, sondern die Ausfälligkeit eines Einzeltäters.
Nach der Meisterschaft 2023 war Schütz weggegangen. Vor allem, um sportlich zu wachsen, die Kölner Haie boten ihm eine größere Rolle. Er steigerte sich von 11 (München) auf 27 (Köln) Tore in der ersten Saison. Der auf der Münchner Meisterfeier in einer Mischung aus Höflichkeit und Naivität hingesagte Satz, er könne sich eine Rückkehr gut vorstellen, hängt ihm halt nach, als wäre er ein Versprechen gewesen. Zudem trifft er mit seinen neuen Teams regelmäßig gegen den EHC. Im Oktober 2025 war er spektakulärer Hauptakteur eines Penaltyschießens zwischen Mannheim und München: Er verwandelte drei Stück.
Die Halbfinalserie ist noch nicht zu Ende, doch sie tut den Münchnern nicht nur wegen der Personalie des verlorenen Sohns weh. Zu Mannheims Besten zählen der aus Bad Tölz stammende Torhüter Maxi Franzreb (Schütz: „Derzeit unsere Lebensversicherung“), Münchens langjähriges Feindbild Mathias Plachta (mannschaftsdienlich jetzt auch als Schüsseblocker) – und Tom Kühnhackl (34). Den zweimaligen Stanley-Cup-Gewinner umwarben die Münchner vor und nach seiner NHL-Karriere, jeweils vergebens. Bei den Adlern ist er eine wichtige Komponente, Herzstück des „Penalty-Killings“. Justin Schütz saß nach seinen Toren am Sonntag auch mal auf der Strafbank: „Da war ich sehr angespannt, kann mich aber bei Tom und den Unterzahl-Jungs bedanken.“ Kühnhackl steckte auch weg, dass er einen Puck ins Gesicht bekam: „Gehört dazu.“GÜNTER KLEIN