UNION BERLIN

Eta macht den Weg frei

von Redaktion

Erste Cheftrainerin könnte Frauen nun die Türen öffnen

Servus, ich schreib mal eben Geschichte: Marie-Louise Eta (34, Union Berlin) ist die erste Cheftrainerin in der Fußball-Bundesliga der Männer. © Koch / Imago

Berlin – Die Rolle der Pionierin ist für Marie-Louise Eta nicht neu. Und als sie damals als erste Co-Trainerin in der Männer-Bundesliga Geschichte schrieb, glaubte sie bereits fest daran, dass da noch mehr geht. Sie sei überzeugt, sagte Eta 2024 im „Tagesspiegel“, „dass irgendwann eine Cheftrainerin-Position möglich sein wird, aber es ist schwer, das an einer Zeit festzumachen.“ Nun, gut zwei Jahre später, ist dieser Moment gekommen – und Eta könnte Türen öffnen, die Frauen einst verschlossen schienen.

Dabei hat die 34-Jährige, die Union Berlin als Interimslösung zum Klassenerhalt führen soll, schon lange gespürt, dass die Männerdomäne Fußball-Bundesliga bald reif für Trainerinnen sein könnte. „Ich habe über die Jahre gemerkt, dass es möglich ist, auch wenn es immer wieder Stimmen gab, die gesagt haben: ‚Das geht nicht als Frau‘ oder ‚In der Kabine wird eine andere Sprache gesprochen‘ oder ‚Das wird es in den nächsten 20 Jahren nicht geben‘“, so Eta, die gestern ihr erstes Training leitete.

Dass sie unbedingt Trainerin werden wollte, war für Eta immer klar. Dafür beendete sie 2018 ihre Spielerkarriere bei Werder Bremen, nachdem sie zuvor mit Turbine Potsdam drei Meisterschaften und 2010 die Champions League gewonnen hatte. Mit gerade einmal 26 Jahren war dann Schluss, auch weil sie nach mehreren Verletzungen ihre Trainerlaufbahn nicht gefährden wollte.

Zunächst trainierte Eta die U 13-Buben bei Werder, später ging es zum DFB, wo sie ebenfalls im Nachwuchs aktiv war. „Sie ist Trainerin durch und durch“, sagte Franziska Kromp, heute Trainerin der Werder-Frauen, im ZDF-Morgenmagazin – sie coachte gemeinsam mit Eta die deutschen U 17-Juniorinnen: „Bei ihr gibt es nur ein Thema: Fußball.“ Eta sei als Trainerin „sehr akribisch“, den aktuellen Hype um die Person blende sie aus.

Denn der ist tatsächlich für Eta nichts Neues. Im November 2023 war sie nach der Trennung von Urs Fischer als erste Co-Trainerin der Liga-Historie von der U 19 zur ersten Union-Mannschaft gekommen, gemeinsam mit Interimscoach Marco Grote rettete Eta den Verein vor dem Abstieg. Danach kehrte sie zur U 19 zurück, die sie seit Saisonbeginn bis zuletzt hauptverantwortlich betreute. Zur kommenden Spielzeit wird sie das Frauen-Team in der Bundesliga übernehmen, doch zunächst lockte ein erneutes Rendezvous mit der Geschichte bei den Männern.

Und plötzlich steht Eta für die verbleibenden fünf Saisonspiele an vorderster Front. Ihr Debüt am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den VfL Wolfsburg, wo Union unter Umständen den Klassenerhalt perfekt machen kann, wird über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung finden. Das mediale Echo auf die Nachricht, dass Eta Union-Trainer Steffen Baumgart ablösen wird, ist enorm – auch in den sozialen Medien. Dort wehrte sich Union gegen sexistische Kommentare. Die Union-Familie stehe hinter ihr, verteidigten die Köpenicker ihre Trainerin gegen Hasskommentare und bezeichneten sie als „Fußballgöttin“. Von vielen Nutzern gab es dafür Lob.

Auch von Alexandra Popp. „Ich finde es einen richtig, richtig coolen Schritt“, sagte die Ex-Nationalspielerin, die in der Jugend mit Eta zusammengespielt hatte. Daher wisse Popp, „was sie als Spielerin schon für eine intelligente Fußballerin war.“ Man sehe an ihren Erfolgen, „dass sie es als Trainerin auch zeigen kann“.SID

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