ZUM TAGE

Kein Lichtblick außer Zverev

von Redaktion

BMW Open in München

Guillermo Vilas, Thomas Muster, Michael Stich, Petr Korda, Ivan Lendl, Andre Agassi, Roger Federer – die früheren Sieger und Finalisten des Münchener Tennisturniers lesen sich wie das Who is who der Szene. Es gab sie also schon, die glorreichen Zeiten. Doch so geballt wie in diesem Jahr war die durchschnittliche Spielerqualität bei den BMW Open selten. Vielleicht sogar noch nie.

Sieben der 20 Weltbesten schlagen am Aumeister auf. Dazu zum Beispiel Joao Fonseca, eine brasilianische Rakete, die kurz vor der Zündung steht. Oder illustre Tour-Persönlichkeiten wie Marin Cilic und Stefanos Tsitispas. Der Letztgenannte schaffte es aufgrund seiner Formschwäche gerade so direkt ins Hauptfeld – vor ein paar Jahren hätte man sich noch die Finger nach dem Griechen geleckt.

Leidtragende am Aumeister-Aufschwung der vergangenen Jahre ist die deutsche Riege. Mit dem Titelverteidiger und Weltranglistendritten Alexander Zverev schaffte nur ein DTB-Starter den sogenannten Cut. Also die Ranglistenplatzierung, die einem Interessenten noch zum direkten Turnierzugang verhilft. 2026 lag der Cut bei 54 – knapp darüber rangierten zum Meldezeitpunkt Daniel Altmaier (er rutschte durch Absagen noch ins Feld). Yannick Hanfmann (34) und Jan-Lennard Struff (35) waren auf Wildcards angewiesen.

Dahinter? Viel deutsches Nichts. Lässt man den Finger auf der Rangliste bis Nummer 200 gleiten, leuchtet nur noch ein weiteres Mal Schwarz-Rot-Gold auf: beim 18-jährigen Justin Engel (184 – ebenfalls Wildcard). Zum Vergleich: Quasi-Nachbar Italien mit Aushängeschild Jannik Sinner hat insgesamt 15 Spieler (!) unter den 200. Selbst Österreich, nebst Ausnahmekönnern wie Muster oder Dominic Thiem, nicht bekannt für Top-Tennis, hat wie der DTB fünf Jungs (wenn auch nicht auf dem gleichen Niveau) platziert.

Das deutsche Tennis befindet sich – abgesehen von Zverev – in einer Talsohle. Das gilt auch für die Damen, die im Billie Jean King Cup sogar in die Drittklassigkeit (!) abstürzten. Aber, man mag es heute kaum glauben, auch die BMW Open waren zwischendrin am Tiefpunkt. Vor knapp 15 Jahren stand das Turnier kurz vor dem Aus.

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