Schwer zu halten

von Redaktion

Drittbester Torjäger der 3. Liga: Die Löwen sind happy mit Haugen – nur wie lange noch?

Tore? Zu Befehl! Auf Haugen (28) aus Haugesund ist als One-Man-Show im Löwen-Sturm Verlass. © IMAGO

Applaus, Applaus: Mit seinen Saisontreffern Nummer 13 und 14 rettete Sigurd Haugen den Löwen ein 2:2 gegen Angstgegner Jahn Regensburg. © Eibner/Imago

München – Der weißblaue Aufstiegstraum geplatzt, die Stimmung gedämpft – und doch lieferte der TSV 1860 beim 2:2 gegen Regensburg einen Auftritt, der Mut machte. Moral bewiesen, eine weitere Ligapleite gegen den Angstgegner abgewendet, den Fans einen unterhaltsamen Abend geboten. Und vor allem: den verheerenden Eindruck des 0:3 von Cottbus korrigiert. Einer war trotzdem bedient, als er in der Mixed Zone auftauchte. Ausgerechnet der Mann des Spiels: Doppelpacker Sigurd Haugen gehörte zu denen, die den Aufstiegsrechner im Hintergrund weiter laufen ließen. „Ich hatte Hoffnung und dachte, wir können es schaffen. So lange Gas geben, bis es nicht mehr möglich ist. Aber vielleicht ist es jetzt vorbei. Ich bin sehr enttäuscht“, sagte der Norweger.

Es spricht für Haugens Ehrgeiz, dass er die Saison nicht vorzeitig abgeschrieben hatte. Und genau so – mit unbedingtem Zug zum Tor – bewahrte er die Löwen auch gegen Regensburg vor einer weiteren Pleite. Vor dem 1:0 ließ er mehrere Gegenspieler stehen, ehe er den Ball ins lange Eck jagte. Und nach der zwischenzeitlichen Führung des Jahn war es erneut Haugen, der nach einem Vorstoß von Althaus zum Ausgleich einköpfte.

Was wären die Löwen ohne ihren Sturmwikinger? Alle Pflichtspieltreffer seit Ende März gehen auf sein Konto. Der Siegtreffer im Totopokal gegen den Jahn. Der späte Ausgleich gegen Mannheim. Am Sonntag nun seine Saisontore 13 und 14. Sieben in der Hinrunde (vor dem Kieferbruch), sieben in der Rückrunde – mit Maske. Wenn sich einer aus dem Löwen-Kollektiv für höhere Aufgaben empfohlen hat, dann ist es der Angreifer aus Haugesund.

Ist so einer nicht zu gut für ein weiteres Jahr in der 3. Liga? In der Mixed Zone betonte Haugen zwar seine Verbundenheit mit dem Drittliga-Dino: „Ich habe Vertrag und bin sehr motiviert, mit dem Club etwas aufzubauen.“ Ob das auch noch gilt, wenn Angebote aus der 2. Liga eintreffen, wird sich zeigen. Dass er Begehrlichkeiten weckt, ist intern längst Thema. Geschäftsführer Manfred Paula sagte zuletzt: „Wenn ein Spieler so performt, ist es klar, dass er Begehrlichkeiten weckt.“ Nur zwei Stürmer in der 3. Liga haben mehr Treffer aus dem Spiel heraus erzielt: Löwen-Schreck Erik Engelhardt (19, zuletzt drei gegen 1860) – und Aachens Arminia-Leihgabe Schroers (17).

Auch die Mitspieler wissen, was sie an der norwegischen One-Man-Show im Sturmzentrum haben. „Ohne Sigurd wüsste ich nicht, wo wir stehen würden“, sagte Manuel Pfeifer. „Er ist ein überragender Spieler für diese Liga.“ Ähnlich äußerte sich Lasse Faßmann: „Wir können uns glücklich schätzen, so einen Stürmer zu haben.“

Die Löwen sind happy mit Haugen. Die entscheidende Frage aber bleibt: wie lange noch? Angreifer mit dieser Qualität, noch dazu im besten Fußballeralter (28), sind bekanntlich schwer zu halten.

Ehrgeizig, wie Haugen ist, dürfte er für sich längst ein neues Saisonziel definiert haben – den Gewinn der Drittliga-Torjägerkanone. Sechs Treffer wären auf Aachens Lars Gindorf (20, darunter acht Elfmeter) aufzuholen. Zu viel? Würden viele denken. Haugen tickt bekanntlich anders. Aufgeben kommt für ihn erst infrage, wenn rechnerisch nichts mehr möglich ist.ULI KELLNER

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