Kommt gut an: Hrubesch, hier als Trainer der DFB-Frauen, wo er gleich zweimal einsprang. © dpa
70 Tore per Kopf gelangen Hrubesch seinerzeit für den HSV. Bei insgesamt 134 eine Quote, die ihresgleichen sucht. Mit Hamburg wurde er dreimal Meister. © dpa
Hamburg – Horst Hrubesch flachst mit Manuel Neuer. Hrubesch schnackt mit Serge Gnabry. Hrubesch klatscht mit Mats Hummels ab. Wenn das Kopfballungeheuer von einst seine „Jungs“ trifft, ist die Freude groß. Auf beiden Seiten. „Er hat keine wechselnden Gesichter und nie eine Maske auf. Er war immer Hotte“, sagte Hummels einmal der ARD über Hrubesch: „Ein nahbarer Trainer mit einer natürlichen Autorität und das ist Gold wert als Coach.“ Und nicht nur Hummels weiß ganz genau, was er Hrubesch zu verdanken hat.
Hrubesch war immer da, wenn er gebraucht wurde. Als Trainer, als Talenteflüsterer – und vor allem einst als gefürchteter Stürmer. Sein Spruch „Manni Banane, ich Kopf – Tor!“ ist längst legendär, auch zu seinem 75. Geburtstag am Freitag werden die alten Geschichten des „Langen“ wieder herausgekramt.
Hrubesch selber steht gar nicht gerne im Mittelpunkt. „Ich werde mich wie immer zurückziehen“, sagt er. Zu seinem Geburtstag geht es für Hrubesch ein paar Tage mit Ehefrau Angelika in den Urlaub nach Österreich. Er lasse es „unter anderem beim Angeln ruhiger angehen“.
Als Spieler ließ es Hrubesch damals ordentlich krachen. Er war nicht elegant, aber er hatte unendliche Kraft. „Hotte“krempelte die Ärmel hoch, er arbeitete Fußball, er kämpfte, wühlte, biss, wollte. Er warf sich in den Dreck. Einsatz, Fleiß und ehrliche Arbeit – die Fans liebten Hrubesch, gelernter Dachdecker, dafür. „Es prägt, wenn du weißt, was Arbeit ist. Verglichen damit ist ein Job im Fußball paradiesisch“, sagte er einmal.
Und im Fußball hat Hrubesch alles erlebt. In Hamm wurde er geboren, im Ruhrgebiet ist er aufgewachsen, bei Rot-Weiss Essen feierte er sein Bundesliga-Debüt. Doch sein Name bleibt auf ewig mit dem HSV verbunden. Nach seinem Idol Uwe Seeler stieg Hrubesch zwischen 1978 bis 1983 zum zweitgrößten Stürmer der Clubgeschichte auf, er prägte die erfolgreichste Ära des Vereins entscheidend mit.
Hrubesch wurde Europapokalsieger der Landesmeister (1983) und Deutscher Meister (1979, 1982, 1983), 134 Tore machte er in 212 Pflichtspielen für die Hamburger – sagenhafte 70 davon per Kopf. Die meisten davon legte natürlich Manfred Kaltz auf. Beim EM-Titel 1980 machte Hrubesch beide Tore für Deutschland im Finale gegen Belgien.
„Machen und tun“ ist noch immer sein Motto. Schon im Alter von 13 Jahren musste Hrubesch der Mann im Haus sein, nachdem der Vater die Familie verlassen hatte. Seine Trainerkarriere beginnt zunächst holprig, doch dann gewinnt er als Nachwuchscoach im DFB erst mit der U19 den EM-Titel (2008) und ein Jahr später auch mit der U21 – mit den späteren Weltmeistern Neuer, Hummels, Jerome Boateng, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Mesut Özil. Auch bei den DFB-Frauen kommt Hrubesch mit seiner väterlichen Art bestens an, zweimal springt er als Nachfolger für Steffi Jones und Martina Voss-Tecklenburg ein – und holt 2024 in Paris mit Bronze noch einmal eine Olympia-Medaille.SID