Stefanos Tsitsipas in Begleitung von Freundin Kristen Thoms auf der Players Night der BMW Open. © Tilgner/Agency People Image
München – Kurz vor dem Interview mit unserer Zeitung hat Stefanos Tsitsipas, dessen Spiel am Dienstag gegen Fabian Marozsan beim Stand von 6:3, 6:7 und 2:2 wegen Dunkelheit unterbrochen wurde, noch eine andere Aufgabe zu erledigen. Das Social-Media-Team des Turniers hat ihm eine leere Balldose an das Ende eines Tisches geklebt. Tsitsipas soll einen Ball von der gegenüberliegenden Seite hineinbefördern. Entfernung: rund ein Meter. Der Grieche versucht es gefühlvoll, doch die Kugeln rollen ein ums andere Mal deutlich am Ziel vorbei. Ein Sinnbild für die aktuelle Situation des 27-Jährigen, der von Rang drei bis auf Platz 67 der Weltrangliste abgestürzt ist. Wir haben mit ihm vor seinem Start in die BMW-Open-Woche in München darüber gesprochen.
Herr Tsitsipas, Sie sind seit vier Tagen in München. Gab‘s Zeit für Sightseeing?
Nicht wirklich. Aber ich hatte tolle griechische Ostern (das orthodoxe Osterfest war am 12. April, Anm. d. Red.) im Tennis- und Beachvolleyball-Club gleich nebenan. Mein Vater Apostolos und der Besitzer kennen sich schon sehr lange, weil Christos vor langer Zeit einen meiner ersten Coaches in Griechenland trainiert hat.
Sie spielen erstmals die BMW Open. Was hat Sie hergeführt?
Patrik Kühnen. Er ist der netteste Turnierdirektor, den ich bisher getroffen habe, und ich kenne viele Turnierdirektoren. Er war ja früher selbst Profi und er liebt sein Turnier, das merkt man. Das Wetter war etwas kalt die ersten Tage, aber sonst war für mich wirklich alles perfekt.
Was man von Ihren letzten Auftritten leider nicht sagen kann. Was ist los?
Ich muss gute Matches spielen und sie auch gewinnen. Dann kann sich das Blatt schnell wieder wenden. Es passiert vielleicht nicht diese Woche, aber wenn ich alle Puzzlestücke zusammensetze und den Glauben an mich nicht verliere, werde ich zurückkommen. Um ehrlich zu sein: das Wichtigste ist, dass ich mich mit voller Überzeugung und Einsatz dem Prozess widme, dann klappt es auch.
Ist der mentale Aspekt entscheidend?
Auch, aber nicht nur. Mein größtes Problem war meine Verletzung am Rücken. Deswegen habe ich fast ein halbes Jahr nicht gespielt. Bei einigen Turnieren habe ich dann unter Schmerzen aufgeschlagen. Da war ich nicht bei 100 Prozent und bin meinem Niveau nicht gerecht geworden. Bei der Dichte in der Weltspitze passiert es dann schnell, dass man Punkte verliert und abrutscht. Wobei ich zugeben muss, dass ich nicht dachte, dass ich so weit zurückfalle.
Wie geht es Ihrem Rücken jetzt?
Ich spüre nichts mehr. Das hilft auch psychisch. Denn der Schmerz bei einer Verletzung ist nicht das einzige Problem. Es ist mental schwierig, wenn man plötzlich nicht mehr so viel trainieren und spielen kann, wie man es gewohnt ist. Wenn die konstante Arbeit und die Wiederholungen auf dem Platz fehlen, funktionieren auch gewisse Schläge nicht mehr. Die Linie zwischen Erfolg und Niederlage ist sehr dünn.
Sie haben einige Punkte aufzuholen…
Mir ist bewusst, dass ich dieses Jahr ein paar Turniere extra spielen muss. Außer ich spielen dort überragend, wo es darauf ankommt.
Das Feld der BMW Open ist mittlerweile so hochklassig, dass man nicht eben mal ein paar Runden gewinnen kann, oder?
Definitiv, das zeigt schon meine Erstrundenauslosung gegen Fabian Marozsan. Ich muss für jeden Kampf da draußen bereit sein und das bin ich. Und ich hoffe, dass vielleicht auch das Glück ein klein wenig zu mir zurückkehrt. Ich brauche nicht viel, nur ein kleines Quäntchen kann manchmal schon helfen, dass es wieder aufwärts geht.
INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER