Von 2009 bis 2012 ein Bayer: Ivica Olic. © Imago
Freude pur: Olic, Neuer & Co. feiern 2012 den Finaleinzug gegen Real Madrid. Über den Keeper sagt Olic heute: „Er ist wie damals.“ © Imago
München – Ivica Olic (46) ist erst am Montag aus Spanien zurückgekehrt – nach dem Kracher am vergangenen Dienstag in Madrid hat er noch die Sonne genossen. Die Vorfreude auf das Rückspiel an diesem Mittwoch (21 Uhr) ist dabei stetig gestiegen. Im Interview blickt der Ex-Stürmer, der 2012 dabei war, als die Bayern Real zuletzt ausschalteten, auf das Duell der Duelle.
Herr Olic, wenn man schon beim Hinspiel vor Ort war, freut man sich noch mehr aufs Rückspiel, oder?
Absolut. Ich denke viel an letzte Woche, denn das war wirklich ein geiles Spiel, ein geiler Abend, ein geiles Stadion, das ich seit der Renovierung noch nicht kannte. Bei so einer Atmosphäre dann noch so ein Highlight-Spiel zu sehen, mit Chancen auf beiden Seiten – mehr geht ja nicht.
Auf was freuen Sie sich diesmal?
Auf ein genauso spannendes. Spiel Klar, Bayern hat „die erste Halbzeit“ 2:1 gewonnen, aber man darf Real nie unterschätzen. Ich erwarte sie noch gefährlicher als in der Schlussphase in Madrid. Bellingham, Eder Militao – die werden jetzt von Beginn an die Besten reinschmeißen und versuchen, die Saison noch irgendwie zu retten. Alles andere haben sie ja schon verspielt.
Das macht sie noch gefährlicher.
Genau. Man darf sich vom Hinspiel-Ergebnis nicht blenden lassen. Aber diese Gefahr sehe ich auch nicht. Bayern hat einen so guten Lauf, hat ein überragendes Spiel gemacht. Schade, dass man in Madrid nicht noch die eine oder andere Möglichkeit genutzt hat. Ein Tor mehr Puffer wäre schon gut. Denn Mbappé und Vinicius Junior werden auch in München mit Schwung kommen. Ein Zufall ist es ja nicht, dass Bayern ein klasse Spiel gemacht hat – und trotzdem Manuel Neuer „Man of the Match“ geworden ist. Das beschreibt Reals Offensiv-Power eigentlich am besten (lacht).
Was macht einem als Ex-Stürmer denn mehr Spaß: Mbappé und Vinicius Junior zuzusehen – oder doch den Offensivspielern des FC Bayern?
Beides hat etwas für sich. Aber Real ist aktuell einfach nicht effizient genug. Mbappé ist das beste Beispiel. Er kommt zu Chancen, trifft aber nicht. Das ist schon ein großer Unterschied zu Harry Kane. Ein Schuss, ein Tor, der Harry (lacht). Da sieht man auch mehr Selbstvertrauen– wie in der ganzen Bayern-Mannschaft aktuell.
Würden Sie auf die Bayern setzen?
Ja. Zu Hause wird Bayern zu fünf, sechs, sieben großen Chancen kommen – ich erwarte mindestens zwei Tore. Das 2:1 ist nicht viel, aber doch ein Vorteil.
Wie man gegen Real weiterkommt, hat Ihre Mannschaft auf dem Weg zum „Finale dahoam“ 2012 gezeigt. Was ist denn wichtiger: spritzige Beine oder ein kühler Kopf?
Damals hatten wir vor allem viel Glück. Viele verpasste Chancen von beiden Seiten, am Ende ging es ja bis ins Elfmeterschießen. Philipp Lahm hat nicht getroffen, Toni Kroos hat nicht getroffen, puh! Aber ich erinnere mich am besten an den Elfmeter von Sergio Ramos. Der hat bis auf die Tribüne geschossen. Den Ball haben sie immer noch nicht gefunden, glaube ich (lacht). Als Bastian Schweinsteiger dann getroffen hat, war es einfach nur geil.
Auch damals hat Manuel Neuer den Unterschied gemacht.
Wahnsinn, oder? Das ist 14 Jahre her! Manu ist wie damals, ich sehe keinen Unterschied. Er ist noch immer wie eine Katze. Ich konnte es letzte Woche wirklich nicht glauben, wie schnell er noch ist. Auch diesmal wird es wieder auf ihn aufkommen.
Dass er das gegen Real kann, weiß man seit 2012.
Stimmt! Damals hat er im Elfmeterschießen gegen Cristiano Ronaldo und Kaka pariert. Ich habe diese Momente noch genau vor Augen. Real bleibt im Kopf! Auch wenn ich auf der Bank saß – oder vielleicht gerade deshalb. Draußen zu sitzen und in so einem Spiel nichts machen zu können, das ist wie ein Krimi. Ein guter Krimi in diesem Fall.
Man dachte damals wie heute, dass die Zeit reif sei, den Titel zu gewinnen.
Und es tut bis heute weh, dass wir diesen Titel nicht geholt haben. 2010 gegen Inter, da war die Sache klar. Aber 2012 haben wir so gut gespielt und nicht gewonnen. Das kann man nicht vergessen. Ich hoffe also diesmal auf ein besseres Ende.
Sehen Sie Chancen?
Im Moment ja. Man darf Real nicht unterschätzen, aber Bayern spielt aktuell den schönsten und besten Fußball in Europa. Die machen das! Zusammen mit Paris sind sie die Favoriten. Blöd, dass man sich wahrscheinlich vor dem Finale schon trifft.
Sie waren in Madrid auch beim Bankett – haben Sie Titel-Geist gespürt?
Ich habe ja auch zuletzt eine Woche das Training bei Vincent Kompany angeschaut. Und man merkt diese positive Atmosphäre in jeder Sekunde. Die Spieler haben Freude, jeden Tag, in jedem Spiel. Das hat man ja zum Beispiel auch am Wochenende in Hamburg gesehen. Da kommen die Ersatzspieler zum Einsatz und machen es überragend. Dieser Geist ist das Wichtigste, um etwas Großes zu gewinnen. Vincent hat bis hierhin so gut wie alles richtig gemacht. Auch sein Mut, auch den jungen Spielern Chancen zu geben, wird belohnt. Ich denke natürlich gerne an den Kroaten Filip Pavic, geboren im Jahr 2010!
Man sagt, er hat jeden Spieler besser gemacht. Ein gutes Beispiel ist auch da ein Kroate.
Stimmt. Ich habe Josip Stanisic ja damals mit zur A-Nationalmannschaft geholt. Wir waren damals schon froh, ihn zu haben – aber seine jetzige Entwicklung ist Wahnsinn. Sein Selbstvertrauen gepaart mit der Qualität ist enorm. Früher hat man gesagt: Steh hinten stabil! Aber jetzt bringt er auch offensiv richtig viel Schwung. Und das Gute: Er kann noch besser werden.
Am Mittwoch bekommt er es mit Vinicius Junior zu tun.
Er hat die schwierigste Aufgabe auf dem Feld (lacht). Aber er wird sie im Kollektiv mit seinen Mitspielern gut lösen – und Vini auch dazu zwingen, nach hinten zu arbeiten. Denn Stani sollte auch nicht vorbei kommen.
INTERVIEW: HANNA RAIF