Neue Kulisse, selbes Ziel: Die Jubel-Bayern. © DEL POZO/AFP
Verzweifelt: Vinicius Junior. © Garrido/IMAGO
Genau so! Das 2:0 durch Harry Kane schlug vergangenen Dienstag voll ein. Bayerns Plan für Mittwoch: Mindestens zwei Tore, gerne noch ein paar mehr. © MARCOU/AFP
München – Spätestens als der Reisetross von Real Madrid am Dienstagmittag in München aufsetzte, ging der Countdown los. Gute 32 Stunden befanden sich beide Teams vor dem Anpfiff des Rückspiels im Champions-League-Viertelfinale an diesem Mittwoch (21 Uhr) in derselben Stadt – und arbeiteten am Feinschliff für den perfekten Matchplan. Dass der Ball nach dem 2:1 im Hinspiel auf der Seite des FC Bayern liegt, ist „fantastisch“, sagt CEO Jan-Christian Dreesen. Die Warnung von Karl-Heinz Rummenigge ist aber dennoch in der Kabine angekommen.
„Bloß keine Euphorie aufkommen lassen“, lautet das seitens des Aufsichtsrats vorgegebene Motto. Und Kalle weiß, wovon er spricht: Seit dem letzten K.o.-Triumph der Bayern gegen Real im Jahr 2012 mussten die Münchner in den letzten vier Duellen (Halbfinale 2014, 2018, 2024 und Viertelfinale 2017) jeweils die Königsklassen-Segel streichen.
Die Ausgangslage sei dieses Mal gut, meinte Torwart Manuel Neuer am Dienstag: „Aber wir können das nicht überbewerten, weil wir in der Vergangenheit erlebt haben, wie Real zuschlagen kann. Aber wir sind selbstbewusst!“ Ganz München, ganz Deutschland ruft daher: Jetzt werft sie endlich raus!
Fans: Wann immer die Webcam im Innenraum der Allianz Arena für längere Zeit ausgeschaltet wird, laufen die Vorbereitungen für etwas Großes. Und auch so ist es ja nur logisch, dass die Südkurve sich für diesen 15. April eine passende Choreografie ausgedacht hat. Sie soll groß sein, ist zu hören, und sie soll bis auf den Platz wirken. Der 12. Mann, zuletzt von Uli Hoeneß höchstpersönlich für die „neuerdings hervorragende Stimmung“ gelobt, will mithelfen, das unmöglich Scheinende möglich zu machen: den Rekord-Champion endlich K.o. zu setzen. Über die sozialen Kanäle startete Joshua Kimmich gestern sogar einen Aufruf: „Wir brauchen Euch, wir geben alles, wir gehen ans Limit! Kommt alle in Rot – und dann geben wir Gas zusammen.“ Trainer Vincent Kompany freut sich auf gute Stimmung: „Man darf vorher Tee mit Honig trinken – und dann die volle Stimme nutzen!“
Festung: Die überschaubare Bilanz gegen Real sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Statistik klar für den FC Bayern spricht. Zum einen, weil die Bayern in bisher 30 K.o.-Duellen nach einem Auswärtssieg erst einmal (!) ausschieden (2011 im Achtelfinale gegen Inter Mailand) und Real nach einer Heimpleite noch nie weitergekommen ist. Und zum anderen, weil man die Allianz Arena als echte Festung bezeichnen kann. 16:3 Tore und fünf Siege stehen aus dieser Königsklassen-Saison zu Buche, aus den letzten 28 Heimpartien hat man lediglich das Viertelfinal-Duell im vergangenen Jahr gegen Inter Mailand verloren. Warum es immens wichtig war, sich als Zweiter der Ligaphase den Heimvorteil zu sichern, zeigt diese Bilanz. Auch Kompany weiß um sie – und sagt: „Wir wollen mit unseren Fans in der Allianz Arena den Unterschied machen.“
Form: Das Formbarometer spricht eine klare Sprache – auch am Wochenende: Während die Bayern bei St. Pauli weiter laut „Hurra“ riefen, verpasste es Real beim Heim-Remis gegen Girona, das angekratzte Selbstvertrauen aufzupolieren. Dennoch war das Wort „Remontada“ gestern im Teamhotel „Leonardo Royal“ in aller Munde – und Ex-BVB-Star Jude Bellingham sagte: „Wir glauben alle daran, dass wir die Aufholjagd schaffen. Wir sind Real Madrid. Wir haben super Spieler, alle sind 100 Prozent fit.“ Und auch Kompany warnte: „Wir bereiten uns auf die beste Version von Real vor.“ Selbstbewusster Zusatz des so besonnenen Belgiers: „Aber wir wissen auch, wie wir ihnen wehtun können.“HANNA RAIF, MANUEL BONKE