Das war doch nicht real!

von Redaktion

Irre Achterbahnfahrt: Bayern setzt Madrid Last-Minute-K.o. – jetzt Paris

„Alles in unserer Hand“: Die Choreo der Bayern-Fans traf das Motto des Abends – vor dem Anpfiff. © Kolbert/IMAGO

Güler zum Zweiten: Neuer sah nicht gut aus. © Hoppe/dpa

Schnelle Antwort: Das 1:1 durch Pavlovic. © AFP

Erlösung in letzter Minute: Diaz traf zum Ausgleich – 3:3. Die Arena bebte und Olise legte noch einen drauf. © IMAGO

München – „Alles in unserer Hand“ – das Motto des Mittwochabends hatten die Fans des FC Bayern in der Allianz Arena schon vor Anpfiff des Krachers gegen Real Madrid vorgegeben. Was 75.000 Zuschauer da noch nicht ahnten: dass dieses Rückspiel im Champions-League-Viertelfinale trotz des 2:1-Puffers eine Achterbahnfahrt mit fünffachem Looping werden würde. Dreimal ging Real Madrid durch Ader Güler (1./29.) und Kylian Mbappé (42.) in Führung, dreimal glichen die Bayern durch Aleksandar Pavlovic (6.), Harry Kane (38.) und Luis Diaz (89.) aus. Als der Kolumbianer zum 3:3 traf, bebte ganz Fröttmaning. Und als Michael Olise den 4:3-Schlusspunkt setzte, herrschte Ekstase pur. Was für ein Krimi! Halbfinale! Weiter geht‘s!

Die Verlängerung war schon zum Greifen nah, dann folgte der finale Real-K.o. – in einer Partie, die hin und her und hin und her ging. Am Ende waren die Abwehr- und Torwartfehler der Bayern egal, denn das Ergebnis zählt: Am 28. April und 6. Mai wartet Paris St. Germain. Ab jetzt ist für die Kompany-Bayern alles möglich.

Keine Überraschung: Kompany hatte auf seine A-Elf gesetzt – und das aus gutem Grund. Es wurde jeder Mann bei 100 Prozent gebraucht, das sah man bereits nach wenigen Sekunden. Die Bayern-Fans skandierten noch ihre Anfangsmotivation, da spielte Manuel Neuer einen katastrophalen Fehlpass und Ader Güler ließ sich nicht lange bitten. Das 1:0 war ein Schock – aber die Bayern erholten sich schnell. Ecke Kimmich, Kopfball Pavlovic – 1:1 und ein Dank an den viel zu passiven Real-Keeper Lunin. Das Motto des Abend stimmte wieder: „Alles in unserer Hand.“

Dieses Spiel war heiß, nicht nur wegen der frühen Tore. Was die Arena von Vinicius Jr. hält, hörte man bei jedem Ballkontakt des Real-Stars (nichts!). Dass die Bayern es dennoch schafften, das Spielgeschehen an sich zu reißen und die Ruhe zu bewahren, war wichtig. Musste man trotz des hohen Pressings mal weiter hinten verteidigen, gelang das im Kollektiv – wie in der 20. Minute, als Laimer Mbappé in höchster Not stoppte. Für die Abwehrreihe gab es immer wieder Sonderapplaus. Und auch für Kimmich nach der besten Chance aufs 2:1 (27.).

Er hätte sie nutzen sollen, denn wieder führte ein individueller Fehler zum Gegentor. Laimers Foul kurz vor der Strafraumgrenze, Gülers Freistoß, Neuers nicht ganz glückliche Bewegung – 2:1. Ein Glück, dass auf der Gegenseite Kane zur Stelle war und nach einem Upamecano-Pass schnell auf 2:2 stellte. Aber es passte zu dieser wilden ersten Hälfte, dass ein Stanisic-Fehlpass auch harsch bestraft wurde. Vinicius Jr. auf Mbappé, 3:2 und Kurs Verlängerung zur Pause. Die Bayern werden in der Kabine gehört haben, dass sie besser verteidigen müssen.

Stanisic blieb drinnen, Davies kam in die Partie, in der nun mehr taktiert wurde. Diaz hatte direkt eine gute Chance, Neuer war auf der Gegenseite gegen Mbappé plötzlich Weltklasse zu Stelle. Die Bayern kämpften, hatten gute Chancen, auch wenn nicht alles gelang. Vor allem Olise trieb an. Aber Real brauchte auch nicht viel Raum für Konter. Als Camavinga vom Platz flog, war die Arena voll da. Und dann kam Diaz! Und Olise obendrauf! Was ein Abend!H. RAIF, M. BONKE, P. KESSLER, V. TSCHIRPKE

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