Jakob Schnaitter (M.) und Mark Wallner (re.) im Gespräch mit Redakteur Mathias Müller. © Müller
Auf dem Weg nach oben: Mark Wallner (li.) und Jakob Schnaitter haben sich bis in die Top 50 der Welt vorgespielt – und in München aus der Qualifikation ins Viertelfinale. © Hasenkopf/Imago
München – Mark Wallner (26) ist gebürtiger Münchner. Sein Doppelpartner Jakob Schnaitter (30) kommt aus Wasserburg. Viel mehr Lokalmatador geht nicht. Zusammen haben sie sich bis auf Platz 46 der Weltrangliste vorgespielt. Gestern besiegten sie das niederländische Duo Arends/Pel mit 7:5, 3:6 und 10:6. Ein Gespräch über Doppelzimmer, Einzelspieler und ihr finanzielles Auskommen.
Als Sie vor knapp vier Jahren beschlossen haben, es zusammen auf der Profi-Tour zu probieren, wie standen Sie da in der Rangliste?
Schnaitter: Im Einzel auf 680. Im Doppel 230 oder so um den Dreh.
Wallner: 1100 und Doppel auf 260.
Jeder Spieler träumt erst von der Einzelkarriere, richtig?
Schnaitter: Definitiv. Aber als ich auf dem College war, haben Kevin Krawietz und Andreas Mies schon gezeigt, dass es auch Sinn ergeben kann, sich bewusst für eine Doppelkarriere zu entscheiden. Ich hatte das ein bisschen im Hinterkopf.
Wallner: Ich war auch auf dem College. Da hat sich mein Weg herauskristallisiert. Im Doppel war ich wichtig für das Team, im Einzel ein Rotationsspieler.
Ist es trotzdem ein Eingeständnis, dass es fürs Einzel nicht reicht?
Schnaitter: Auf jeden Fall. Bei mir war es auch ein innerer Kampf. Aber ich war 28 und hatte nicht mehr den Glauben, dass ich es zu den Grand Slams schaffe.
Im Doppel gibt es oft interessante Rollenverteilungen. Wie ist das bei Ihnen?
Schnaitter: Von der Persönlichkeit her sind wir sehr unterschiedliche Typen, das zeigt sich auch auf dem Platz. Mark strahlt mehr Ruhe aus, ich bin dafür emotionaler. Mark kommt über die Power, ich mehr über den Touch und die Übersicht.
Bilden unterschiedliche Charaktere ein besseres Doppel?
Schnaitter: Wir glauben schon, weil sich der Gegner dadurch umstellen muss.
Wallner: Wenn sich ein Team gut ergänzt, gibt es weniger Schwächen.
Wenn Sie gegen das Duo Zverev/Shelton antreten müssten. Wer würde gewinnen?
Wallner: Ich würde immer auf die Doppelspieler setzen. Viele lieben es auch, gegen Einzelspieler anzutreten, weil es sehr offensichtlich ist, wie die spielen.
Wie denn?
Wallner: Die Returns kommen immer cross, sie wechseln fast nie die Seiten. Auch ein Lob als Return ist unwahrscheinlich. Dadurch kann der Netzspieler sehr offensiv vorn stehen. Doppel ist ein sehr strategisches und taktisches Spiel.
Schnaitter: Wenn wir gegen die beiden Einzel spielen würden, gewinnen wir von zehn Spielen vermutlich keins. Im Doppel ist es zumindest ausgeglichen.
Die Jungs können hier gutes Geld verdienen. Wie ist das bei Ihnen?
Wallner: Durch unsere Ranglistenposition konnten wir beim Start unseres Projekts gleich auf Challenger-Ebene anfangen. Das hat geholfen, weil dort im Gegensatz zu niedrigeren ITF-Turnieren zumindest der Hotelaufenthalt gedeckt ist.
Schnaitter: Wenn wir ein Challenger gewinnen, bekommt jeder ungefähr drei bis vier Tausend Euro. Für Anreise und Trainer fallen natürlich Kosten an. Den Physio nehmen wir meist vom Turnierstaff. Man wird nicht reich, aber unter dem Strich bleibt – zumindest bei uns – etwas übrig. Aber das ist natürlich auch vom Lebensstil abhängig.
Im Hotel: Einzel- oder Doppelzimmer?
Schnaitter: Bei einem Trip, der definitiv über mehrere Wochen geht, nehmen wir das Doppelzimmer, weil es vom Hotel gestellt wird. Wenn wir aber wissen, dass wir bei einer Niederlage gegebenenfalls nach Hause fahren, buchen wir Einzelzimmer. Ein bisschen Rückzugsort schadet manchmal nicht (schmunzelt).
In München haben Sie sich durch die Qualifikation gespielt. Wie nah sind Sie an Ihrem Limit?
Wallner: Es ist definitiv noch Luft nach oben.
Schnaitter: Wir entwickeln uns spielerisch immer weiter. Das nächsten Ziel sind die Top-30. Wir sind oft im Austausch mit Kevin Krawietz und Tim Pütz, die haben viel Erfahrung und manchmal einen guten Tipp parat.
Sind Doppelspieler andere Typen als Einzelspieler?
Schnaitter: Würde ich schon sagen, weil es ein Teamsport ist. Auf der Tour gibt es viele Doppelspieler, die sich gut verstehen und gemeinsam beim Abendessen sitzen oder Spiele spielen. Im Einzel ist jeder meinem Gefühl nach eher auf sein eigenes Team fokussiert.
Braucht man für den Einzel-Erfolg ein gewisses Ego?
Schnaitter: Das gilt wohl allgemein im Tennis. Im Einzel ist es vielleicht noch einmal ausgeprägter, weil man alleine auf dem Platz steht und sich auf sonst niemanden verlassen kann, der einen stützt.
INTERVIEW: MATHIAS MÜLLER