EM-Premiere und Krieg in der Heimat

von Redaktion

Das emotionale Debüt von Yekta Jamali

Die erste EM unter deutscher Flagge: Yekta Jamali. © Thunman/Imago

Batumi – Yekta Jamali macht sich große Sorgen. „Natürlich gibt es Momente, die sehr schwer sind“, sagt die Gewichtheberin „manchmal bin ich traurig oder emotional, sogar auf dem Weg zum Training.“ Denn während sich die gebürtige Iranerin auf ihre erste Europameisterschaft unter deutscher Flagge vorbereitet, tobt in der Heimat weiter der Krieg. Kraft zieht die 21-Jährige in dieser hochemotionalen Zeit aus ihrem Sport, der als wichtige Stütze dient.

Das Gewichtheben sei ihr „ganzes Leben“, betont Jamali: „Ich habe mich dafür von meiner Familie getrennt und viele Schwierigkeiten auf mich genommen.“ Im Mai 2022 war sie während der Junioren-WM in Griechenland nach Deutschland geflüchtet. Nachdem sie in den vergangenen Jahren unter anderem für das IOC-Flüchtlingsteam bei den Sommerspielen in Paris gestartet war, erhielt sie im Februar 2026 die deutsche Staatsbürgerschaft. Die am Sonntag beginnende EM im georgischen Batumi wird nun ihre Premiere für Schwarz-Rot-Gold.

„Es bedeutet mir viel, für ein Team antreten zu dürfen, das mich in den letzten vier Jahren unterstützt hat“, sagt Jamali, die in der Klasse -77kg teilnimmt. Doch 100 Prozent Fokus auf das Gewichtheben fällt derzeit nicht leicht. „Mein Weg im Leistungssport war von Anfang an schwierig. Aber genau diese Herausforderungen haben mich stärker gemacht, sodass ich auch in solchen Situationen meine mentale Stärke bewahren kann“, erklärt Jamali.

Die schlimmen Bilder aus dem Iran, die Angst um ihre Liebsten – all diese Dinge versuche sie in der Halle hinter sich zu lassen „und mich mit positiven Gedanken und Hoffnung zu motivieren“, sagt Jamali. Das Gewichtheben sei für sie „auch eine Art Therapie.SID

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