Die Generalprobe: Die Club WM, hier das Finale zwischen Chelsea und Paris im MetLife Stadium in New Jersey. Viele der Spiele waren nicht ausverkauft. © Smith/dpa
Miami – Achtung, Abzocke: Astronomische Ticketpreise, ungenierter Wucher bei den Parkplätzen, und nun auch noch Unsummen für Bus und Bahn – knapp zwei Monate vor Beginn der Fußball-WM wird immer deutlicher, dass die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanda (11. Juni bis 19. Juli) nur etwas für reiche Edelfans mit dicken Geldbeuteln oder „normale“ Anhänger ohne Rücksicht auf (finanzielle) Verluste ist.
Zu dem Ärger über die hohen Eintrittspreise inklusive Beschwerde der Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) bei der Europäischen Kommission sowie dem Frust über unglaubliche Parkplatz-Gebühren an den Stadien jenseits der 200 Dollar kommt nun die Kunde von horrenden Kosten für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Für die organisierten Fans ist dies der Tropfen, der das Fass endgültig zum Überlaufen bringt.
Das einzige Ziel des Turniers scheine darin zu bestehen, „so viel Geld wie möglich von einem gefangenen Publikum zu erpressen“, sagte FSE-Geschäftsführer Ronan Evain: „Fans zur Kasse zu bitten, die sich für die sichere und umweltverträgliche Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entscheiden, ist ein Hohn auf die Klimastrategie der FIFA.“ Gesteigert wird die Wut auf den Weltverband durch den Vergleich zu den vergangenen Endrunden. Bei der WM 2022 in Katar und der EM 2024 in Deutschland hatten Zuschauer mit einem Spielticket kostenlosen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr.
Zur Kostenexplosion tragen zudem die Mondpreise bei den Unterkünften bei. Laut Berechnungen des US-Reisemediums Upgraded Points müssen WM-Besucher für eine dreitägige Reise mit zwei Übernachtungen in den US-Spielorten mit durchschnittlichen Gesamtkosten zwischen 2600 Dollar (Miami) und 8900 Dollar (Boston) rechnen. Der Betrag errechnet sich aus einem Ticket vom Zweitmarkt, einer Unterkunft, Kosten für Flüge und Fahrdienste, Verpflegung sowie dem Kauf eines Trikots.
Neben den Fans empören sich auch immer mehr Politiker. „Es ist skandalös, dass Zehntausende Fans aus unserer Region von einem einmaligen Ereignis, das mit unseren Steuergeldern finanziert wird, aufgrund der hohen Preise ausgeschlossen werden“, sagte der kalifornische Kongressabgeordnete Josh Harder. Die Kommunen müssten Millionen bezahlen für Renovierungen, Polizei und Rettungsdienste: „Wenn wir die Rechnung bezahlen, verdienen unsere Familien auch Preise, die sie sich leisten können.“
In die gleiche Kerbe schlug US-Politiker Chuck Schumer. Der Minderheitsführer der Demokraten im Senat forderte von der FIFA, die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr in den Spielorten- und Regionen während der WM zu übernehmen. Er reagierte damit auf Berichte über drastische Preiserhöhungen. „Die FIFA wird bei der WM fast elf Milliarden Dollar einnehmen, doch Pendler und Anwohner in der Region New York sollen die Rechnung bezahlen“, schrieb Schumer. Es sei das Mindeste, dass der Verband sicherstelle, dass Fans ohne „überhöhte Preise“ ins Stadion gelangen könnten.SID