Vielen Beobachtern des bunten Fußballzirkus‘ ist eines schon seit langem klar: Je größer der Club auch in seiner Selbstwahrnehmung, desto lauter das Krakeele – und desto kleiner das Einsichtsvermögen. Der FC Barcelona bewegt sich insofern im Windschatten von Branchengiganten wie Real Madrid und gelegentlich auch dem deutschen Primus FC Bayern. Auch diese Vereine haben es vor gar nicht allzu langer Zeit jeweils für angebracht erachtet, ihre Allmacht zu einigermaßen niveaulosem Zeter und Mordio über das Schiedsrichterwesen im Allgemeinen und Einzelurteile im Besonderen auszubreiten.
Nach der 0:2-Niederlage vor einer Woche daheim im Hinspiel gegen Atletico Madrid wieherte nun Barcelona-Coach Hansi Flick in Richtung des deutschen Videoassistenten Christian Dingert. „Thanks to Germany“, maulte der frühere deutsche Nationaltrainer. Was war passiert? Seine Mannschaft hatte einen billigen Elfmeter nicht zugesprochen bekommen. Es folgte tatsächlich eine offizielle Uefa-Beschwerde seitens der Katalanen, die dankenswerterweise abgelehnt wurde.
Neu ist das Verhalten der Barcelona-Offiziellen nicht: Erst neulich hatte auch der spanische Verband das Gejammer von Barça über die vermeintlich schreiende Ungerechtigkeit nach einem 1:4 bei Atletico im Pokal gegen den Schiedsrichter und den VAR geflissentlich ignoriert. Gut so!
Nach dem Aus in der Königsklasse am Dienstagabend übernahm diesmal der verletzte Barça-Spieler Raphinha die Rolle des Jammerlappens gegen den international hochangesehenen französischen Unparteiischen Clement Turpin. „Für mich war das ein gestohlenes Spiel!“, schimpfte der Starspieler, der das Gespür für Verhältnismäßigkeit vermissen ließ. Das Genöle sollte als infamer Betrugsvorwurf interpretiert werden und könnte deshalb die Uefa-Rechtsaufsicht noch beschäftigen. Eher wäre ein gebotenes Maß an Selbstkritik angebracht, zum Beispiel über zwei mit berechtigtem Rot geahndete Notbremsen von Barça-Verteidigern, sauber verteilt auf Hin- und Rückspiel. So scheidet man halt aus.