Nächstes Opfer PSG

von Redaktion

Bayern berauscht nach Paris – aber trotzdem kleinlaut: „Nicht Favorit“

Hat jemand Halbfinale gesagt? Olise. © BEIER/afp

Ekstase: Bayern-Held Diaz nach dem 3:3 © BEIER/afp

„Explosion“: So nannte Max Eberl die Szenen, die sich nach den Last-Minute-Toren in der Südkurve abspielten. © Feil/IMAGO

München – All das, was am Mittwoch in der Stunde vor Mitternacht hinter der verschlossenen Kabinentür des FC Bayern stattfand, dauerte. Aber nach mehr als 95 Minuten „Drama pur“, wie Joshua Kimmich nach dem Last-Minute-4:3 gegen Real Madrid sagte, war das nur logisch. Es wurde gelacht, getanzt, gefeiert, und mittendrin sprang Vincent Kompany, der seinen ersten Halbfinaleinzug für eine Botschaft an sein Über-Team nutzte. „Er hat uns gesagt, dass für uns alles möglich ist“, verriet Josip Stanisic. Anders gesagt: Wer Real erledigt, kann auch PSG ausschalten. Weiter, immer weiter – das ist keine Floskel mehr.

Der Verteidiger war einer der Ersten, der aus den Katakomben kam, wie euphorisch der gesamte Club nach dieser „Explosion“ (Max Eberl) aber ist, hatte man schon vorher gesehen – auf dem Platz und daneben. Dass die Fans aus der Südkurve nach dem entscheidenden Treffer von Luis Diaz (89.) und dem Schlusspunkt von Michael Olise (90.+4) bis an den Rasenrand gekommen waren und das Team hochleben ließen, war schon einzigartig. Und dass Jan-Christian Dreesen die Spielanalyse nur noch heiser vornehmen konnte, sprach ebenso Bände. „Ein unglaubliches Match. Ich war auch sehr engagiert – Sie hören es an meiner Stimme“, sagte der CEO über dieses Viertelfinal-Rückspiel, das an allem nicht zu überbieten war, was so einen Fußball-Abend ausmacht. Spannung, Stimmung, Happy End. Kapitän Manuel Neuer, der eine nicht wenig tragende Rolle spielte, sagte zurecht: „Das hat wirklich niemand vorhersehen können.“ Was man aber vorhersehen kann: dass diese Mannschaft dem Titelverteidiger PSG „ein Duell auf Augenhöhe“ bieten kann (Eberl).

Selbstvertrauen hat am Mittwoch vielleicht nicht die spielerische Qualität gegeben, „das war kein Spiel auf hohem Niveau“, sagte Kimmich. Aber diese Partie, in der man nach Treffern von Arda Güler und Kylian Mbappé dreimal zurückkommen musste, zeigt laut Eberl „die Qualität dieser Mannschaft das ganze Jahr über“. Man musste schon oft Rückstände drehen, der Sieg nach dem Schock in der ersten Minute nach Fehlpass von Neuer aber kann als endgültig bestandene Reifeprüfung gewertet werden. Auch wenn der Unglücksrabe Neuer selbst versicherte: „Wir brauchen keinen Push! Wir sind immer motiviert!“, hat Europa registriert, was da am Mittwoch in München passiert ist. Auch PSG will nicht unbedingt gegen diese Kompany-Bayern spielen.

Es passt dennoch zum Geist dieser Mannschaft, dass nicht mal im Glücksrausch irgendjemand bereit war, die Favoritenrolle anzunehmen. „Wenn einer Favorit ist, ist es Paris“, sagte Dreesen, Herbert Hainer fügte hinzu: „Die haben Liverpool zweimal geschlagen.“ Dass man dennoch das 2:1 in Paris in der Ligaphase noch im Kopf hat und sich – so der Präsident – „vor niemandem fürchten muss“, ist auch klar. Mit Blick auf die übrigen zwei Halbfinalisten Arsenal und Atletico Madrid kann man schon von einem vorgezogenen Finale sprechen. Kompany sprach von der „allerschwierigsten Aufgabe“, verbunden mit dem wichtigen Zusatz: „Der Glaube ist da, dass wir das machen können.“

Keine zwei Wochen sind es bis zum Hinspiel in Paris am 28. April, am 6. Mai kommt es in München zum Showdown. Dazwischen noch das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Leverkusen – wie gesagt: weiter, immer weiter. Und verständlich, dass Kompany daheim noch seine private kleine Feier machte. „Ein Bier oder ein Glas Rotwein“, sagte er. Erstmal runterkommen.H. RAIF, M. BONKE, V. TSCHIRPKE, P. KESSLER

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