Konzentration aufs DEL-Halbfinale: Veit Oswald (l.) im Duell mit dem Mannheimer Justin Schütz. © Red Bull/City-Press
München – Wenn der ERC Ingolstadt Playoffs hat, baut er über der Kurve mit den Heimfans immer ein Gerüst auf, um ein paar Plätze mehr zu haben. In erster Linie für die Medienvertreter – doch auf der wackelig anmutenden Stahlrohr-Konstruktion können auch spezielle Gäste sitzen: NHL-Scouts. Die aufwühlende Viertelfinalserie zwischen Ingolstadt und dem EHC Red Bull München spielte sich somit auch vor den Augen der Utah Mammoth und der Toronto Maple Leafs ab, die ihre Leute entsandt hatten. Was ein Scout während eines Spiels tut? Nun, nicht so viel. Er schaut aufs Eis, gelegentlich in sein Handy und trinkt Kaffee.
Im Münchner SAP Garden war die Zahl der NHL-Späher diese Saison gelegentlich schon zweistellig, in Mannheim waren für die bisherigen Halbfinalspiele gegen München sechs Scouts angemeldet. Das dürfte auch am Freitagabend (19 Uhr) wieder so sein, wenn der, in der Serie 1:3 zurückliegende EHC in Spiel fünf gegen das vorzeitige Saison-Aus kämpft.
Ihre Aufmerksamkeit gilt vor allem dem 18-jährigen lettischen Verteidiger Alberts Smits, den der EHC für die letzte Saisonphase ausgeliehen hat; Smits‘ bisheriger Verein in Finnland hatte sich nicht für die Playoffs qualifiziert, München hingegen konnte diese Bühne bieten. Smits dürfte unter den ersten Zehn landen beim Draft der 32 NHL-Clubs Ende Juni.
Doch die Blicke fangen noch einen anderen Münchner Spieler ein: Veit Oswald. Der 21-jährige Stürmer steht vor einem Wechsel ins nordamerikanische Eishockey. Der kanadische Eishockey-Insider Frank Seravalli berichtete kürzlich vom Interesse mehrerer NHL-Clubs. Weit vorne und der Favorit: die Edmonton Oilers. „An Gerüchten ist immer was dran“, sagt Günter Oswald (56), der Vater. Er war Nationalspieler, nach seiner aktiven Karriere Spieleragent,vor vier Jahren, als Sohn Veit aus dem Landshuter Nachwuchs nach München in die DEL wechselte, wurde Oswald senior in der Red-Bull-Akademie „Managing Director“. Günter Oswald erklärt: „Veit ist auch sehr glücklich in München“ – doch aus den NHL-Ambitionen hat die Familie nie einen Hehl gemacht.
Gedraftet wurde Oswald, als er 18 und verfügbar war, nicht. Das Jahr darauf (2024) erhielt er eine Einladung zum „NHL Combine“, einem Speeddating mit den Clubs und einer Reihe von Fitness- und Persönlichkeitstests. Doch erneut sicherte sich keine Organisation die Rechte an ihm. Die Toronto Maple Leafs luden ihn ins Development Camp ein, meldeten sich aber nach einer für Veit Oswald durchwachsenen DEL-Saison 2024/25 (zwei Tore) nicht mehr. Im vergangenen Sommer schätzte Oswald im Gespräch mit unserer Zeitung seine Situation als „Fluch und Segen“ ein. „Es ist ein Privileg, gedraftet zu werden. Aber das bedeutet auch, auf ein Team festgelegt zu sein und nur die Chance haben, dort zu spielen. Ungedraftet kann man das Aufsehen mehrerer Clubs auf sich ziehen, hat mehr Optionen.“ Vater Oswald glaubt, bislang sei Veit nicht genommen worden, da zu schlaksig. „Doch er hat viel Off-Ice-Training genossen und an Gewicht zugelegt.“ Der Veit Oswald der Saison 25/26 (12 Hauptrunden-, 2 Playoff-Tore) wirkt athletischer.
Wird „Ossi“ ein Oiler? In Edmonton ist man deutsch-affin. Die Oilers sind das Team des Superstars Leon Draisaitl (30) aus Köln. Der Erdinger Josh Samanski (24), vor einem Jahr aus Straubing verpflichtet, ist mittlerweile Stammspieler, mit David Lewandowski (19) draftete man 2025 einen Düsseldorfer. Edmonton wendet einen Großteil seines Etats für die Topspieler auf, sucht also gezielt nach Kräften, für die der Einstiegstarif (maximal 975.000 US-Dollar) gilt. Wahrscheinlich würde Oswald für einen Bruchteil des Salärs erst mal im Farmteam Bakersfield spielen müssen. Doch all das ist noch einen Sommer weg. Noch wird in München gespielt. Günter Oswald findet es „super, wie Veit reagiert: Er sagt ,Erst Playoffs‘.“GÜNTER KLEIN