„Wir waren nicht abgezockt genug“: Lediglich Tobias Rieder gelang im fünften Spiel ein Treffer. © Red Bull/City-Press
Mannheim – Der letzte Akt, um das Aus in einer Playoff-Serie abzuwenden, ist: Man zieht den Torhüter. Das geschah fünf Minuten vor dem Ende. Da holte Oliver David, Trainer des EHC Red Bull München, Keeper Antoine Bibeau vom Eis, um mit einem zusätzlichen Stürmer noch ein Wunder zu schaffen. Effekt: null. Die Spieler hatten den Glauben da schon verloren und keine Energie mehr und sich in die Niederlage gefügt. 1:4 (1:1, 0:2, 0:1) in Halbfinalspiel in Mannheim, somit ging die Best-of-Seven-Serie 1:4 verloren. Die Adler Mannheim stehen im Finale, sie warten auf den Gegner (Köln oder Berlin), für München ist die Saison beendet. Tobias Rieder, bester Mann in den Playoffs, resümierte: „Wir waren nicht abgezockt genug.“
„Die vier Hauptrunden- und die vier Playoff-Spiele übereinandergelegt – da ergibt sich ein Bild“, hatte EHC-Kapitän Patrick Hager gesagt – und prophezeit, dass auch die neunte Saisonbegegnung der beiden Teams keine völlig neue Geschichte schreiben würde. Daher also erneut: „Enges, hartes, intensives Spiel“, wie es der Mannheimer Stürmer Kristian Reichel ausdrückte.
Es war aber mehr Psychologie im Spiel. Den Adlern Mannheim war, nachdem sie in München die erste Chance vergeben hatten, die Serie zu beenden, anzumerken, dass sie ins Nachdenken gerieten. Zwar hatten sie einen perfekten Start in die Partie, Alexander Ehl („Ich hatte Zeit, mir das Eck auszusuchen“) erzielte in der 4. Minute – doch als der EHC in den bedingungslosen Vorwärtsgang schaltete, stieg bei Mannheim die Verunsicherung. Adler-Starverteidiger Nick Mattinen geriet so unter Druck, dass er vor dem eigenen Tor die Scheibe verlor und Tobias Rieder seinen Playoff-Lauf wieder aufnahm und zum 1:1 verwertete (8.). „Wir müssen in der Defensive stabiler sein“, merkte Adler-Torschütze Ehl nach dem ersten Drittel an.
Das Publikum, etwas still geworden, wurde in der ersten Pause in positive Wallung versetzt, weil die Jungadler Mannheim, das U20-Team, kürzlich Meister geworden, eine Ehrenrunde mit Pokal lief. Die Profis spornte das wohl auch an, denn im zweiten Durchgang zeigten sie mehr Aktivität. Mattinen machte seinen Fehler mit dem Tor zum 2:1 gut (23.), genutzt war somit das erste Überzahlspiel des Abends – Patrick Hager saß auf Münchner Seite draußen. Danach gab es hochkarätige Chancen vor beiden Toren (für den EHC: Ferguson, für Mannheim: Schütz) – und jeweils gute Goalie-Paraden. Nicht haltbar war dann das 3:1 für Mannheim: Mathias Plachta demonstrierte seine Schusskunst, mit der er in der DEL auch mit 34 Jahren noch führend ist – ein Strahl über Antoine Bibeaus Stockhand (34.). München im Zwei-Tore-Rückstand – kompliziert, wenn man das Spiel nicht verlieren darf.
Und nicht einfacher, weil auch der Auftakt des Schlussabschnitts an Mannheim ging. Ville Pokka ließ sich an der Bande hinter dem Tor den Puck abluchsen, und nach 42 Sekunden konnte Adler-Verteidiger Leon Gawanke auf 4:1 stellen. Der EHC konnte nicht verbergen, dass ihn das beeindruckte, es dauerte fast die Hälfte des Drittels, ehe er wieder einen vielversprechenden Angriff fahren konnte – während ihr Gegner seine Fahrigkeit abgelegt hatte und sich weitere Chancen erspielte. Rieders Vorsatz „Scheiben und Männer vors Tor bringen“ blieb unerfüllt. München ergab sich.GÜNTER KLEIN