INTERVIEW

„Die perfekte Bierdusche? Daheim!“

von Redaktion

Ex-Nationalspieler Holger Badstuber über Stuttgart, Bayern und Feiern

Experte für Bierduschen: Holger Badstuber (37) hat viel im Fußball erreicht – und vor allem beim FC Bayern etliche Kollegen nassgemacht. © Imago

München – Holger Badstuber (37) kickte zu aktiven Zeiten sowohl für den FC Bayern als auch für den VfB Stuttgart. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der frühere Nationalspieler über das Duell seiner beiden Herzensvereine:

Herr Badstuber, haben Sie den Mittwoch schon verdaut?

Mit zwei Tagen Abstand: Ja. Das war ein schöner Fußballabend, sehr emotional.

Hat dieses Spiel gezeigt, dass nun alles möglich ist?

Das Gefühl hat man ja schon länger. An die Bundesliga kann man fast einen Haken setzen, im Pokal wäre das Finale schön – und in der Champions League geht es endlich mal wieder im Halbfinale gegen den Vorjahressieger. Man kann nicht anders da dran gehen als mit einer breiten Brust. Und genau das tut der FC Bayern.

Was wäre für die Bayern denn besser: früher Meister zu sein – oder später?

Die Mannschaft ist so gierig und hungrig auf die Titel – und so oder so weiß man ja, dass man die Meisterschaft in der Tasche hat. Da wird in der restlichen Saison kein Spannungsabfall zu sehen sein. Ich habe da keine Sorge.

Dann feiern wir mal die Meisterschaft: Wie sieht die perfekte Bierdusche aus?

(schmunzelt) Wenn das „Opfer“ von oben bis unten nass ist – man ihn also voll erwischt. Und die perfekte Bierdusche findet im heimischen Stadion statt, also hoffentlich schon an diesem Sonntag.

Wer konnte sie am besten verteilen? Wer war das leichteste Opfer?

Die leichtesten Opfer waren die, die unbeteiligt am Rand standen. Und die besten Verteiler Typen wie Franck Ribery und Rafinha. Die hat man nicht gesehen – und schnell waren sie auch.

Ist die Saison schon eine gute, wenn man Meister ist – oder muss es mehr sein?

Ein Doublesieg wäre schon mal wieder wichtig, um zu zeigen, dass man den nächsten Schritt gemacht hat. In der Champions League unter den Top 4 zu sein, ist schon ein Erfolg. Aber das Finale in Budapest muss jetzt das Ziel sein.

Sie als Verteidiger: Hätten Sie lieber gegen Real oder PSG verteidigt?

So ein Mix aus beidem. Wenn Mbappé und Vinicius Jr. loslegen, ist es schon unglaublich. Aber wenn ich den Ball hätte, wäre es einfacher – weil sie defensiv nicht gerne arbeiten. Das ist bei PSG anders. Da laufen alle an, das ist eine Einheit, und da muss man enorm aufs Timing achten. Offensiv sind sie außerdem bärenstark, weil jeder Tore machen kann. Das ist nicht auf zwei Schultern verteilt, sondern auf ganz, ganz vielen. Bei PSG kann jeder ein Spiel entscheiden.

Auch die Bayern sind extrem torgefährlich, regelrecht im Rausch. Ist die Grenze zu einem Hype fließend – und somit gefährlich?

Natürlich. Das ist eine Gratwanderung. Aber da sind sie auf einem guten Weg. Jeder spürt im Moment einen besonderen Geist, die Spieler und die Fans. Der gesamte Verein ist eine Einheit. Deshalb sage ich: Demütig sein, weiter machen, genau den Weg weitergehen.

Vincent Kompany wirkt, als könne er gar nicht anders.

Stimmt. Er hat eine ruhige Art, Vertrauen und eine gute Energie. Aber er fordert auch viel ein. Mir gefällt seine Autorität, allein von seiner Statur und seiner Vita her. Intuitiv hat er Vieles richtig drauf, seinen Stil verfeinert er über die Jahre. Er kann eine Ära prägen.

Wie Sebastian Hoeneß in Stuttgart?

Sebastian Hoeneß fordert viel ein, hat aber auch einen guten Draht zu jedem Einzelnen. Man muss schon sehen, wo er die Mannschaft übernommen hat – und wohin er sie geführt hat. Da ist genauso eine Handschrift zu erkennen. Er steht dem Verein! Beim VfB geht es sukzessive weiter.

Der VfB-Block im Nationalteam spricht ja auch eine eindeutige Sprache.

Das stimmt. Wie viele bei der WM dabei sind, wird sich noch zeigen. Aber man sieht schon jetzt, dass sich das Persönlichkeiten entwickelt haben, dass der Trainer die Spieler verbessert hat.

Bestes Beispiel: Deniz Undav?

Ich mag ihn als Spieler, weil er schwer zu verteidigen ist. Er weiß, wie er sich bewegen muss, versteht das Spiel enorm gut. Ich hoffe, dass er die 20-Tore-Marke knackt. Dann sollte bei der WM dabei sein. Ich sage es mal diplomatisch: in welcher Rolle auch immer.

Interview: Hanna Raif

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