Das Ende der Ära hatte nur einen kleinen Schönheitsfehler. Svetislav Pesic trat nicht auf der allergrößten Bühne aus dem europäischen Rampenlicht. Die Chance auf die Euroleague-Playoffs hatten seine Bayern schon vor einigen Wochen verspielt. Doch der FC Barcelona gab dem Mann, mit dem er seinen bislang größten Erfolg verbindet, ja einen großen Bahnhof.
Und das lässt schon erahnen, was für ein Kapitel da zu Ende geht. Pesic mag nicht die Ansammlung der europäischen Titel haben wie etwa Landsmann Zeljko Obradovic, der alleine die Königsklasse neun Mal für sich entschied. Und doch verliert Basketball-Europa mit dem Noch-Bayern-Coach eine seiner prägendsten Figuren. 45 Jahre war Svetislav Pesic Trainer. Viereinhalb Jahrzehnte, in denen das Spiel viele Änderungen durchlaufen hat. Viereinhalb Jahrzehnte aber auch, in denen sich der Mann aus Pirot immer wieder neu erfunden hat.
„Als Trainer musst du nicht die Mannschaft an dich anpassen“, so sagte er einmal, „du musst der Trainer sein, den eine Mannschaft braucht.“ Dass er diese seltene Gabe besitzt, hat Pesic auch beim FC Bayern bewiesen. Auch in dieser lange so verkorksten Saison, die er fast noch aus dem Feuer geholt hätte.
Dabei störte er sich nicht daran, unbequem zu sein. Einer wie er setzt nach vermeidbaren Niederlagen schon einmal sechs Stunden Videoanalyse an. Genauso schreckte Pesic auch nicht davor zurück, auch größte Namen vom Sockel zu stoßen. In Barcelona setzte er der Karriere von Spaniens Legende Juan Carlos Navarro ein Ende. In seiner aktuellen Münchner Mission bugsierte er Welt- und Europameister Johannes Voigtmann unsanft aus dem Rampenlicht. Er tut das mit Konsequenz und mit Offenheit. „So bin ich eben“, sagt er.
Aber irgendwie hat er es ja auch mit sich selbst so gehalten. Irgendwann im Januar, auf einer Euroleague-Reise, sei ihm im Hotelzimmer der Gedanke gekommen: „Was tust du hier eigentlich?“ Es war der Moment, in dem das Ende seiner ganz persönlichen Ära beschlossen war. Auch wenn es ein Ende mit Schönheitsfehler ist.