Finale, oho! Mark Wallner und Jakob Schnaitter (hinten) haben die Chance auf ihren ersten ATP-Titel. © Hasenkopf/Imago
Niels Vink, Rollstuhltennis-Ass. © Ruiz
Zunge raus, durchgekämpft: Alexander Zverev gewann gegen Cerundolo – im Halbfinale wartet Cobolli. © Hoppe/dpa
München – Ende gut, alles gut. Alexander Zverev strahlte nach seinem Halbfinaleinzug bei den BMW Open mit der Sonne um die Wette. Dazwischen lief beim 5:7, 6:0 und 6:2 gegen seinen ehemaligen Angstgegner Francisco Cerundolo aber nicht alles rund. Auch, weil es dem 28-Jährigen oft bislang nicht über die volle Distanz gelingt, seine neue, etwas aggressivere Spielweise umzusetzen.
Bis zum 4:1 fühlte sich sein Viertelfinale wie ein Spaziergang an. Doch der erste unerzwungene Fehler – eine verschlagene Vorhand– brachte das noch wackelige Kartenhaus vorübergehend zum Einstürzen. Zverev wurde passiver und spielte langsamer. Zumindest von außen betrachtet. Zverev selbst sah es anders: „Ich fand gar nicht, dass es ein Bruch in meinem Spiel war, sondern dass Francisco besser gespielt hat.“ So oder so: Der Satz ging verloren (5:7).
Da aber auch Cerundolo keineswegs wie aus einem Guss agierte, folgte schnell die Kehrtwende. Nach zwei frühen Breaks (4:0) steuerte das achte Duell der beiden (Stand vorher: 4:3 für Zverev) auf den dritten Satz zu. Überhaupt haben die Aufeinandertreffen mit dem Argentinier eine interessante Dynamik entwickelt. Die ersten drei Matches entschied Cerundolo für sich, dann konterte Zverev viermal in Folge. Auf Sand hatte er seinen zwischenzeitlichen Angstgegner bis Freitag aber noch nie bezwingen können. Für Zverev war das kein Thema: „Manchmal denken die Leute zu kompliziert. Er ist einfach ein unglaublich guter Sandplatzspieler.“
Durch seinen Halbfinaleinzug wahrte Zverev die Chance auf seinen vierten Titel (nach 2017, 2018, 2025) auf der Anlage des MTTC Iphitos. Er wäre damit alleiniger Rekordhalter vor Philipp Kohlschreiber (2007, 2012, 2016). Bei den Triumphen des Augsburgers waren die BMW Open allerdings „nur“ ein 250er-Turnier. Seit vergangenem Jahr hat es der Weltverband in die 500er-Kategorie eingruppiert und das Niveau damit gehoben. „Ich hoffe, dass ich am Sonntag hier wieder mit dem Pokal stehen kann“, rief Zverev den Zuschauern zu. Papa Alexander Senior, Bruder Mischa und Neffe Mischa Junior jubelten in der Box mit.
Nächster Gegner ist der gefährliche Italiener Flavio Cobolli, der bisher beeindruckend durchs Turnier rauschte und auch dem ekligen, konstanten Tschechen Vit Kopriva (6:3, 6:2) nicht den Hauch einer Chance ließ. Für Zverev geht es auch darum, eine kleine „Negativ“-Serie zu brechen. In diesem Jahr hat die Nummer drei der Welt bereits vier Halbfinals (Australian Open, Indian Wells, Miami, Monte Carlo) verloren. Dreimal dabei allerdings gegen Jannik Sinner (Nr. 1), einmal gegen Carlos Alcaraz (Nr. 2).
Ein Luxus, den Mark Wallner und Jakob Schnaitter auch gerne genießen würden. Die Lokalmatadoren sind allerdings schon einen Schritt weiter und stehen nach einer coolen Vorstellung gegen Venus/Bhambri, Erstrundenbezwinger der Monte-Carlo-Champions Krawietz/Pütz, im Finale am Sonntag (11 Uhr).
„Wir sind als Kinder auf das Turnier gekommen, jetzt spielen wir das Finale, das ist verrückt“, sagte Schnaitter (30), der sich mit seinem Partner erst durch die Qualifikation ins Hauptfeld spielte. Nicht minder emotional reagierte der gebürtige Münchner Wallner. „Das bedeutet uns alles“, so der 26-Jährige. Gutes Omen: Bei sechs ihrer bisher sieben Challenger-Finalteilnahmen triumphierte das Duo am Ende auch. Coach Marc Meigel gab die Marschrichtung vor: „Jetzt holen wir uns das Ding.“MATHIAS MÜLLER