Ein paar wenige Sätze, aber sie fühlen sich auch in der Erinnerung noch an wie ein Riss der Achillessehne: ein peitschenartiger Knall, ein Stich mitten ins Herz und ein Schmerz, für den die Skala von eins bis zehn nicht ausreicht. „Du musst dich besser bewegen, viel mehr in die Knie, nicht so verkrampft.“ Gefallen sind sie Ende März auf der Skipiste in Garmisch. Gesagt, nein, gerufen hat sie: mein Sohn (16). Irgendwas wie „Mann, Mann, Mann“ hat er noch hinterhergelegt.
Zwei Jahre lang hatte ich mich nicht mehr auf die Bretter getraut. Nach einem Sturz, bei dem ich mit zwei gebrochenen Rippen und diversen (!) Prellungen noch einigermaßen glimpflich davongekommen war, ging monatelang nichts mehr. Kopf und Körper? Einfach zu. So weit. So doof. Denn, was ich damals nicht bedacht hatte: Mein Sohn ist in den vergangenen Monaten natürlich weitergefahren, hat sich mit seinen Freunden zum Skifahren verabredet, ich hab sie sogar kutschiert, morgens um halb sieben zur Zugspitzbahn, am Samstag. Viel Spaß, seid vorsichtig, esst was Gescheites und macht wenigstens kurz mal Pause. Was Mütter halt so sagen. Und die Jungs sind gefahren. Und gefahren. Und gefahren. Und dabei – immer besser geworden. Kurzum: Mein „Kind“ war in der Zeit, in der ich mit meinen Verletzungen zu kämpfen hatte, nicht nur älter geworden, sondern richtig gut.
Und jetzt stand ich da in Garmisch auf der Piste, auch älter, aber eben alles andere als besser, und musste erleben, wie dieses Mütter-bringen-ihren-Kindern-Sachen-bei-und-nicht-andersrum-Naturgesetz einfach mal ausgehebelt wurde und ich mir Tipps anhören musste, wie ich mich geschmeidiger bewege. Damit muss man erst mal klarkommen, finde ich (und das hat vermutlich auch was mit dem Thema Älterwerden ganz generell zu tun, aber dazu ein anderes Mal mehr).
Sei’s drum. Ich mach mich jetzt fit für die Tennis-Saison. Aufschlag statt Abfahrt. Ich freu mich drauf – vielleicht auch, weil mein Sohn mir da, auf dem Sandplatz, nun wirklich nichts vormacht. Andererseits: Wir haben lange nicht gespielt.