Schwer frustriert: Kevin Volland. © IMAGO / Fabian Kleer
Ins Schlingern geraten: 1860 legte einen uninspirierten Auftritt hin – Dreierketten-Chef Schifferl (l.) war bester Löwe. © IMAGO
München – Tolles Spiel gemacht, viele Chancen herausgespielt, „wir hatten die totale Kontrolle“. Es klang vertraut, was Argirios Giannikis nach dem Schlusspfiff analysierte. Ein bisschen wie sein legendärer Satz aus dem Dezember 2024, als er seine schwache Hinrundenbilanz schönrechnete („Klammert man die ersten drei Saisonspiele aus…“). Diesmal lag er aber richtig: Saarbrücken, sein aktuelles Team, hätte den Sieg verdient gehabt. Die Löwen, sein ehemaliger Verein, waren gut bedient mit ihrer müden Nullnummer.
Für die Löwen war das 0:0 beim 1. FC Saarbrücken das sechste sieglose Spiel in Folge. Das Team schleppt sich der Sommerpause entgegen – die vielen Löwen-Fans, die mit in den Ludwigspark reisten, taten einem leid. Den besten Moment hatten Team und Trainer hinterher an den Mikrofonen, als viel Selbstkritik zu hören war. „Wir hatten überhaupt keine Energie auf dem Platz“, klagte Kevin Volland, der sich als Aufbauspieler im Stich gelassen fühlte. Auch für Markus Kauczinski war der enttäuschende Auftritt „eine Frage der Energie“. Die Mannschaftsteile seien viel zu weit auseinander gestanden. 1860 sackt auf Platz acht ab und wirkt, als sei die Saison schon gelaufen.
Eine fatale Entwicklung, wenn man bedenkt, dass die Löwen noch ein wichtiges Spiel vor der Brust haben. Mit dem Gewinn des Totopokals will der Verein eine Saison retten, die mal wieder nicht ansatzweise dem eigenen Anspruch gerecht wurde. Strafft sich das Team nicht noch mal, wird es auch gegen Ulm, Schweinfurt, Ingolstadt und Verl schwierig. Würzburg dagegen, der Gegner im Finale am 23. Mai: ungeschlagen seit Ende Februar (acht Siege, zwei Remis). Am Samstag, als die Löwen in Saarbrücken waren, gab es einen 5:1-Sieg in Memmingen. Volland hatte schon unter der Woche die Mentalität der Mannschaft kritisiert. Am Samstag appellierte er erneut an die Ehre des Teams: „Jetzt geht es darum, die Saison ordentlich zu Ende zu bringen und den Pokal zu holen. Deswegen müssen wir die Stimmung auch hochhalten.“
Einen geht das vermutlich nichts mehr an: Clemens Lippmann fehlte auch in Saarbrücken im Kader (wie bereits gegen Regensburg), sein Wechsel zum SC Paderborn scheint beschlossene Sache zu sein. Geschäftsführer Manfred Paula bestätigte am Rande des Spiels den Abschied des Talents und schickte als Begründung hinterher: „Clemens Lippmann ist vor zwei Jahren zu uns gekommen und hat zu Saisonbeginn den Sprung in die 1. Mannschaft geschafft. Er hat jedoch nie die Identifikation zu den Löwen aufgebaut, die für uns so wichtig ist.“ Daher habe er sich entschieden, seinen Vertrag auslaufen zu lassen.
Läuft es für Paderborn weiter rund, steigt Lippmann sogar in die Bundesliga auf – der SCP belegt einen Aufstiegsplatz. Die Löwen wiederum basteln daran, wenigstens im neunten Jahr 3. Liga etwas voranzukommen. Dazu Paula: „Ich werde definitiv kein Etikett ,Aufstiegskader‘ draufkleben, aber wir werden den Versuch starten, vorne mitzuspielen.“ULI KELLNER