KOMMENTAR

Der EHC hat keine Meistermannschaft

von Redaktion

Münchner Eishockey – die Bilanz

Was war das nun für eine Saison, die für den Eishockeyclub Red Bull München im Halbfinale endete? Die Beurteilung fällt schwer, denn: Platz vier in der Hauptrunde ist mau, aber 100 Punkte eingespielt zu haben, ist gut. Und in den Playoffs: Der EHC beruft sich auf die knappen Verläufe der Spiele gegen Mannheim. Andererseits: Inklusive der „regular season“ gingen sieben der neun Begegnungen mit den Adlern verloren, Penaltyschießen (zweimal) und Verlängerung (auch zweimal) beherrschte besagter Gegner einfach besser. Bei allem Verständnis für die Bedeutung von Nuancen im Eishockey: Mannheim hatte mehr Qualität – und war mal wieder dran mit einem Finaleinzug.

Für den EHC München lässt sich sagen, dass er für diese Saison einen guten Kader zusammengestellt hatte. Auf zwei enttäuschende Jahre nach dem Titel von 2023 war richtig reagiert worden. Von den Profilen der Spieler holte der EHC im vergangenen Sommer das, was er brauchte: etwa einen Stürmer mit präzisem Schuss (Jeremy McKenna), einen Respekt gebietenden Abwehrkoloss (Dillon Heatherington), einen Spielmacher aus der Verteidigung heraus (Ryan Murphy) oder einen Angreifer, der punkten und nerven kann (Gabriel Fontaine). Allerdings: In seinen besten Jahren kam München mit sieben, acht Importen aus, diesmal jedoch wurden alle elf Lizenzen vergeben. Zwei „Ausländer“ mussten daher draußen sitzen.

Der „deutsche Kern“ des EHC ist älter geworden – und schwächer. Es gibt mehr Ex- als aktuelle Nationalspieler. In der Gruppe „Prime“ der 24- bis 29-jährigen Deutschen hat München niemanden von nennenswerter Klasse – anders als Mannheim (Gawanke, Kälble, Ehl, Schütz, Reichel, Franzreb). Auch bei den Legionären griff München überwiegend ins Ü30-Regal. Förderung des Nachwuchses aus der Akademie? Erst, wenn durch Ausfälle der Älteren erzwungen.

Der EHC München wird immer als Titelmitanwärter in eine DEL-Saison gehen. Doch eine Meistermannschaft hatte er 25/26 wahrlich nicht. Die Zugkraft auf die besten Spieler ist nicht so stark, wie sie aufgrund der Möglichkeiten (SAP Garden) sein sollte.

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