Mannheim – Dallas Eakins, der General Manager und Trainer der Adler Mannheim, meinte, was er zu sagen habe, würden die Münchner in diesem Augenblick gar nicht hören wollen, aber bitte: „Sie waren sehr gut gecoacht von Oliver David, und Christian Winkler hat einen großartigen Job gemacht in der Zusammenstellung des Kaders. Man kann dem Club nur gratulieren.“ Zur Bestätigung schüttelte er noch einmal die Hände der Angesprochenen, ehe man auseinanderging.
Der Amerikaner Eakins, früher in der NHL tätig, gefiel sich in der Rolle des generösen Gewinners. Aber das war eben die Hauptstory dieses Halbfinales in der Deutschen Eishockey Liga (DEL): Mannheim hatte die Best-of-Seven-Serie gegen den EHC Red Bull München mit 4:1 gewonnen. Zu deutlich? Einerseits ja. „Die Serie hätte auch sechs oder sieben Spiele verdient“, sagte Adler-Kapitän Marc Michaelis und kam vor allem auf Torhüter Maximilian Franzreb zu sprechen, der der Unterschiedsspieler war: „Franjo hat das erste und zweite Spiel gestohlen.“ 3:2 gewann Mannheim jeweils in der Verlängerung. Münchens Managing Director Sports Christian Winkler: „Vor den ersten beiden hätten wir mindestens eines mitnehmen müssen. Das war schwer zu verarbeiten.“ Zur Wahrheit gehörte aber auch: Obwohl Oliver David versicherte, im letzten Match auch nach dem 1:4-Rückstand noch an die Möglichkeit des Sieges geglaubt zu haben – der EHC schlich aus der Serie. Für die Mannheimer sagte Marc Michaelis: „Das zweite und dritte Drittel waren unsere besten.“
Während die Adler sich aufs Finale (gegen Berlin oder Köln) einstimmten, terminierten die Münchner die kommenden Tage. Fürs Wochenende war klar, „dass wir die Jungs in Ruhe lassen“ (Winkler), für Montag bis Mittwoch sind die „Exit Meetings“ genannten Abschlussgespräche angesetzt, rund um das Abschlussfest am Samstag werden dann erste Personalentscheidungen kommuniziert („Es sind ein paar offen, aber nicht sehr viele“). Was Winkler schon umreißt: „Ziel ist, dass unser Trainerteam so zusammenbleibt, wie es ist.“ Und die Mannschaft betreffend: „Wir haben einen sehr, sehr guten Stamm – den werden wir behalten.“ Zur Saison 25/26 waren 13 neue Spieler gekommen, üblich ist beim EHC eine Erstausstattung mit Zwei- oder Dreijahresverträgen.
Wesentliche Punkte der Personalplanung: Man setzt auf Mathias Niederberger (33) im Tor, obwohl der zwei von Verletzungen durchzogene Jahre hinter sich hat und 2025 die Playoffs teilweise und 2026 komplett verpasste. Winkler: „Wir hoffen, er hat einen Supersommer und kann sich voll auskurieren.“ Bei Kapitän Patrick Hager (37) soll es ein Bonusjahr geben. Der EHC-Manager: „Er hat eine Topsaison gespielt, wir sind in guten Gesprächen, es sieht danach aus, dass er uns noch ein Jahr hilft.“ Allerdings wird es auch einen großen Abschied geben, so Winkler: „Einer wird die Karriere beenden, aber es selbst announcen.“
Was Zu- und Abgänge betrifft: Man sei „nicht überall im Fahrersitz“, sagt Winkler. Wenn die NHL ruft, hat ein deutscher Club keine Chance. Das 18-jährige Top-Talent Alberts Smits wird eine Episode der EHC-Geschichte bleiben, der Weg nach Nordamerika ist vorgezeichnet. Auch Veit Oswald (21) will sich drüben versuchen. Auf dem Absprung zu anderen DEL-Clubs sind Simon Wolf (21), Vadim Schreiner (20, beide Schwenningen) und Nikolaus Heigl (23, zu Zwillingsbruder Thomas nach Nürnberg). Gerüchte gibt es um Topscorer Taro Hirose (29), weil sein Bruder Akito für Bremerhaven aufläuft (der EHC hatte beim Verteidiger, als der ihm angeboten worden war, abgewunken).
Bereits verpflichtet wurden die Stürmer Elis Hede (25, Deutsch-Finne, Straubing, Sohn des früheren EHC-Spielers und Nachwuchstrainers Niklas Hede) und der Österreicher Lucas Thaler (24) von der Salzburger Red-Bull-Zweigstelle. Der Name des Kölner Verteidigers Brady Austin (32) ist aus den Spekulationslisten wieder verschwunden.GÜNTER KLEIN