Diese Dynamik fehlte in zu vielen Phasen: Sjoeke Nüsken bei einer eingesprungenen Ballmitnahme. © IMAGO / Gräfenkämper
Ried – Christian Wück schimpfte an der Seitenlinie wie ein Rohrspatz, es half nichts. Nach der enttäuschenden Nullnummer steckten der frustrierte Bundestrainer und die DFB-Sportdirektorin Nia Künzer noch auf dem Rasen des Mini-Stadions in Ried die Köpfe zusammen, dann kam Wück zu der schonungslosen Erkenntnis: „Heute sind wir die Treppenstufe, die wir schon oben waren, wieder runtergefallen.“
Daher gab der 52-Jährige seinen Spielerinnen eine scharfe Generalkritik mit auf den Heimweg, wie schon nach dem 5:1 im Hinspiel der WM-Qualifikation gegen Österreich vier Tage zuvor. „Wir müssen verstehen, dass wir unser Basispotenzial auf den Platz bringen müssen“, klagte Wück nach dem durchweg kopf- und kraftlosen Auftritt seines Teams.
Erst dann dürften seine Spielerinnen „Glanzpunkte setzen“, betonte der Bundestrainer: „Aber wir müssen als Mannschaft einfach zusammen funktionieren – und das geht nur mit den Basics.“ An genau denen hatte Wück in den vergangenen Tagen eigentlich im Training gefeilt. Offenbar vergeblich.
„Es ist immer wieder das Gleiche, wir haben so viele leichte Fehler gemacht“, kritisierte er. Ob er zu streng gewesen sei nach dem Heimsieg in Nürnberg? Wück schüttelte sofort den Kopf: „Intern bin ich noch viel härter als nach außen.“
In der Entwicklung Richtung Titeljagd 2027 in Brasilien sah er den trägen Auftritt als „kleinen Rückschritt. Das hat uns gezeigt, dass wir noch einiges an Arbeit vor uns haben.“ Dämpfer wie dieses 0:0, betonte Wück daher, „sind große Lehrmomente für uns, um die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen“.
Doch es bleibt dabei: Gegen tiefstehende Gegner wie die diesmal kompakteren Österreicherinnen findet das DFB-Team oftmals keine Mittel. „Wir haben die Qualität nicht auf den Platz bekommen, im Passspiel, in der Dynamik, mit Ball, ohne Ball. Es war zu wenig“, fasste Sjoeke Nüsken treffend zusammen.
Zu allem Überfluss sah Janina Minge, die Giulia Gwinn (Schulterverletzung) als Kapitänin vertrat, die Rote Karte (79.). Mit einer Notbremse verhinderte die Wolfsburgerin womöglich die erste Pleite gegen die ÖFB-Auswahl im neunten Duell.
Beruhigung brachte daher nur der Blick auf die Tabelle. „Das bricht uns jetzt noch kein Bein“, befand Linda Dallmann in der ARD. Denn mit einem Punkt Vorsprung auf den Verfolger Norwegen (9) geht Deutschland (10) nach vier Spielen als Spitzenreiter der Gruppe A4 in die Schlussphase der WM-Quali.
Gelingt gegen Ada Hegerberg und Co. am 5. Juni in Köln ein Erfolg, löst das DFB-Team schon vor dem Abschluss in Slowenien das Ticket für die WM. Beim 4:0-Hinspiel in Norwegen Anfang März hatte die wankelmütige Wück-Elf überzeugt.
„Die nächsten zwei Spiele sind super wichtig“, meinte Elisa Senß, die zwar nicht nach Ausreden suchen wollte, aber trotzdem auf das schwierige Geläuf zu sprechen kam. „Sehr doll gehoppelt“ habe der Ball mitunter, erklärte die Mittelfeldspielerin, das habe das Offensivspiel erschwert. „Trotzdem“, gab die Frankfurterin zu, „muss man das als Topmannschaft hinbekommen, sich Chancen rauszuspielen.“SID