Die Nachricht, die den FC Bayern im April 2026 am besten charakterisiert, gab es am Wochenende schon weit vor dem Anpfiff. Freude, Stolz, ein kleines Essen mit den Familien – ja! Bierdusche, Rausch und wilde Nacht mit Kakadu – nein! So oder so ähnlich lautete die interne Ansage zum richtigen Umgang mit dem 35. deutschen Meistertitel in der Vereinsgeschichte des FC Bayern. Und all denjenigen, die aus dem Rest der (weit unterlegenen) Fußball-Republik zum üblichen „Wenn wir Meister werden würden, dann wäre hier die Hölle los“ ansetzen wollten, konnte man dieses Mal gleich doppelt zum Schweigen bringen. Die ziemlich schlüssigen Gegenargumente lauten: Pokal- und Champions-League-Halbfinale.
Man kann, darf, muss diesen Bayern gratulieren zu dem, was sie in den vergangenen acht Monaten im viel zitierten „Brot- und Buttergeschäft“ erreicht haben. Am 30. Spieltag als Titelträger festzustehen, dazu eine 54 Jahre währende Tor-Bestmarke zu überbieten und längst in seiner eigenen Liga zu spielen, ist aller Ehren wert. Hinzu aber kommt, dass man aktuell – so abgedroschen es klingt – eine Mannschaft erleben darf, die das „Mia san mia“ in seiner Ursprungsform verkörpert. Vor ein, zwei, drei Jahren hätte man sich so einen Meister-Matchball wie am Sonntag gegen Stuttgart womöglich noch nehmen lassen. In der Spielzeit 2025/26 aber sind die Kompany-Bayern der verdiente Meister auf allen Ebene. Sie können sich in einen Rausch spielen, aber sie können genauso gut kämpfen, Spiele drehen, zurückschlagen. Kompany lebt vor, was längst in der Kabine angekommen ist: Ein guter Tag ist jeder, an dem ein Sieg steht.
Läuft alles nach Plan, folgen davon bis zum 31. Mai noch neun weitere. Die vier in der Bundesliga sind ergebnistechnisch zu vernachlässigen, ein lockeres Austrudeln aber wird der Coach nicht zulassen. Zum einen, weil er ist, wie er ist; zum anderen aber, weil jedem bewusst ist, dass diese gute Saison in den kommenden sechs Wochen noch zu einer herausragenden werden kann. Das Pokalfinale in Berlin ist nur noch einen Schritt entfernt, in der Vorschlussrunde der Königsklasse begegnet man Paris auf Augenhöhe. Und was ganz neu ist: Sogar Anti-Bayern-Fans ertappen sich inzwischen klammheimlich dabei, den Roten die Daumen zu drücken. Womöglich trinken auch sie am Ende ein großes Bier – auf die Über-Bayern.