Auch NRW will Olympia

von Redaktion

Was das Köln-Ja für München bedeutet: Entscheiden wird die internationale Strahlkraft

Die Bevölkerung in NRW hat sich für Olympia ausgesprochen. © Reichwein/dpa

Köln/München – In Köln wurden immer noch Stimmzettel ausgezählt, als Hendrik Wüst mit dem nächtlich erleuchteten Dom im Rücken den Olympia-Partybefehl erteilte: „Bleiben Sie noch lange zusammen und feiern Sie schön!“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident, das Gesicht und die Triebfeder der Kampagne Köln/Rhein-Ruhr, hatte geliefert. Das 9,5 Millionen Euro teure Referendum in 17 Kommunen – Kosten für Werbemaßnahmen nicht eingerechnet – brachte laut DOSB 66,0 Prozent Ja-Stimmen. Nach München, das im vergangenen Oktober bei 66,4 gelandet war, hat auch das bevölkerungsreichste Bundesland eine hohe Zustimmung für die Vision erhalten, in 10, 14 oder 18 Jahren Olympische Spiele auszurichten.

Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wurden die Ergebnisse zwischen 76,3 Prozent Zustimmung in Aachen bis 57,4 Prozent in der „Leading City“ Köln mit Genugtuung aufgenommen – die fehlende Mindestbeteiligung in Herten, wo Mountainbike-Wettbewerbe angedacht waren, tat dem keinen Abbruch.

Thomas Weikert sah „ein deutliches Zeichen für die olympische Bewegung in Deutschland“, der DOSB-Präsident wollte sich aber gedanklich nicht zu lange im Westen der Republik aufhalten, denn „hoffentlich“ wirke das Ergebnis auch als „motivierendes Signal für die noch folgende Abstimmung in Hamburg am 31. Mai“. Christiane Schenderlein, CDU-Staatsministerin für Sport, jubilierte: „Der Fanblock Olympia ist gewachsen!“

Der Dachverband ist bestrebt, bis zum deutschen Vorentscheid am 26. September in Baden-Baden den Kreis der starken Bewerbungen möglichst groß zu halten. Je umfassender Zuspruch der Bevölkerung, desto mehr Eindruck macht das auf das Internationale Olympische Komitee, so die Rechnung. Dieses wird, glaubt der DOSB, nicht vor 2027 den Ausrichter der Sommerspiele 2036 küren.

Und so gönnt man sich noch etwas Zeit. Die Zustimmung der Bürgerinnen und Bürger in den jeweiligen Regionen ist für die Evaluierungskommission des DOSB, die im kommenden Sommer zusammentritt, ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung der nationalen Kandidaten. Letztlich entscheiden in gut fünf Monaten aber die Delegierten, allen voran die olympischen Verbände – und hier kann man weiter nur mutmaßen, ob und wie intensiv der Empfehlung der Kommission gefolgt wird, der neben Weikert, Fricke und Schenderlein auch Josephine Ortleb (SPD), Mona Küppers (Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes) und Andreas Michelmann (Präsident des Deutschen Handballbundes) angehören.

Fest steht aber spätestens seit Sonntag, dass über mindestens zwei starke Bewerber abgestimmt werden wird. Der neben Hamburg (aktuell 59,6 Prozent Zustimmung) vierte nationale Bewerber Berlin führt keine Bürgerbefragung durch, was trotz der hohen internationalen Strahlkraft der Bundeshauptstadt als Minuspunkt anzusehen ist. Denn entscheidend für das gesamte deutsche Olympia-Projekt wird letztlich sein, wann Europa beim IOC als Gastgeber gefragt ist – und mit welcher Bewerbung Deutschland dann die größten Chancen hat gegen Budapest, Madrid oder Istanbul.SID

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