Star des Tages: Nicht Goretzka, sondern der Kakadu. © Weller/dpa
Ein Bild, das mehr als Worte sagt: „Glücksgriff“ Kompany – für einen kleinen Moment vor seinem Team und nicht dahinter. Die Meisterrede hielt der Bayern-Coach später in der Kabine. © Ruiz
München – Harry Kane philosophierte über den Titel, über Vincent Kompany, über die noch zu gewinnenden Titel in der schon jetzt meisterlichen Saison, da musste er kurz unterbrechen. „Louis!“, sagte der Torjäger des FC Bayern in Richtung seines Sohnes, der die Langeweile beim x-ten Interview seines Papas an diesem Festtag mit seinem auftitschenden Ball überspielen wollte. Ein kurzer Moment der Strenge, aber Kane musste schon auch schmunzeln. Der Spieltrieb des fünfjährigen Sprösslings passte ja zur allgemeinen Gemütslage: Trotz des Stolzes auf diesen 35. nationalen Titel wollte niemand innehalten – sondern am liebsten direkt weitermachen. CEO Jan-Christian Dreesen formulierte das Motto für die kommenden Wochen: „More to come!“
Überheblich ist das nicht, wenn man sieht, wo der FC Bayern im April 2026 steht. Dass nach dem 4:2 (3:1) gegen Stuttgart der Haken an der Meisterschaft ist, löste große Freude aus; auf dem Feld, vor der Kurve – und später in der Kabine, wo Vincent Kompany in einer emotionalen Rede vor allem diejenigen ansprach, die erstmals Meister sind. Aber selbst der Mann, der jeden Titel feiert, „als wäre es der erste“, sagte später: „Es ist noch nicht vorbei, es geht weiter.“ Noch in der Nacht, verriet Kane, werde sich der Trainer Videos vom nächsten Gegner Bayer Leverkusen anschauen. Bei einem schönen Glas Rotwein oder einem kühlen Bier fand er womöglich noch ein paar Details, die im Pokal-Halbfinale am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) entscheidend sein könnten.
„Unbedingt“ will man das erste Mal seit 2020 in dieses Endspiel nach Berlin, sagte auch Dreesen, eine Rechnung mit Leverkusen hat man seit dem K.o. im Vorjahr ohnehin noch offen. Er sprach da für die Bosse, die Spieler, den Staff – und das Maskottchen. Denn der Star des Abends – der Titel-Kakadu – „macht noch eine große Reise“, versprach der Boss. Die Wunsch-Destinationen des Vogels, der vor einem Jahr im „Käfer“ entwendet wurde, nun als offizielles Meister-Motiv fungierte und von Co-Trainer Aaron Danks aus der Allianz Arena getragen wurde: Berlin am 23. Mai, Budapest am 31. Mai. In Leverkusen und Paris (28. April) will man nur einen kurzen Halt machen. Dafür aber, sagte Kompany, „braucht es diesen totalen Fokus“.
Er selbst lebt ihn vor, mit jeder Faser seines Körpers. „Wie ein Sechser im Lotto“ sei der Trainer, sagte Präsident Herbert Hainer, Dreesen erinnerte gar an die Heynckes-Bayern von 2013. In den oberen Etagen der Arena titschte zwar niemand mit dem Ball, aber man merkte beim Anstoßen (Dreesen: „Glas Champagner mit meiner Frau“): Der Durst nach mehr ist da.HANNA RAIF, MANUEL BONKE