München – Osnabrück vorneweg, die Löwen 18 Punkte dahinter – ein Tabellenbild wie aus dem Archiv. Und tatsächlich fühlt sich manches an wie eine schlecht gealterte Wiederholung. Frühjahr 2019: Ein siegbringender Elfmeter von Phillipp Steinhart gegen Meppen, Platz fünf, leise Hoffnungen. Was folgte, war aber kein Angriff nach oben – sondern ein Beinahe-Absturz.
Erst noch ein 1:1 in Braunschweig, dann fünf Niederlagen in Serie: Großaspach, Münster, Halle, Karlsruhe, Zwickau. Am Ende ein Heimspiel gegen Fortuna Köln, das zum Krimi wurde. 3:2, Owusu behielt die Nerven, Klassenerhalt, Haken dran. Und ein Trainer Daniel Bierofka, der danach wirkte, als hätte er selbst noch mal 90 Minuten auf dem Platz gestanden.
Heute? Bierofka im gemütlicheren Trainerjob beim BJV – und die Löwen keinen Schritt weiter. Sechs Spiele ohne Sieg: Das gab es für 1860 in der 3. Liga bislang genau einmal. Richtig: damals.
Giesing gefangen in einer Zeitschleife? Wie vor sieben Jahren führt Osnabrück, wieder sind es 18 Punkte Rückstand. Nur dass die Löwen diesmal kein Aufsteiger mit Welpenschutz sind, sondern ein Topfavorit, der dabei ist, eine weitere Saison kläglich zu verspielen. Die aktuelle Serie: 0:0 gegen Wiesbaden – mutlos. 1:2 in Duisburg – der Gegner wollte es mehr. 1:1 gegen Mannheim – zu spät aufgewacht. 0:3 in Cottbus – chancenlos. 2:2 gegen Regensburg – vorne Haugen, hinten hilflos. 0:0 in Saarbrücken – keine Energie, kein Erfolg. Ein Leistungsabfall, der mehr Muster ist als Ausnahme. Für immer 3. Liga? Erst mal droht ein Negativrekord. Sieben Spiele ohne Sieg – die verflixte Zahl, die selbst im achten Drittligajahr ein Novum wäre.
Und das Restprogramm klingt nur in der Theorie einfach. Am Samstag kommt Ulm – kein Selbstläufer, denn die Spatzen flattern noch. Danach geht es nach Schweinfurt, wo der erste Fixabsteiger gerade Rostock geärgert hat (0:0). Auch gegen den FC Ingolstadt beim Heimfinale im Grünwalder gibt‘s nichts geschenkt. Und zum Abschluss geht es nach Verl – da könnte es zumindest für den Sport-Club noch um den Aufstieg gehen. Vier Spiele, vier Gegner unter Strom – und ein Löwen-Team, bei dem über „Alibi-Fußball“ diskutiert wird (Paula, Mang).
Aufstiegshoffnung? Ein Trainer mit klaren Ansagen? Jäh gebremst durch den fast schon traditionellen Spannungsabfall. Kauczinski kämpft mit den gleichen Problemen wie zuvor Jacobacci, Giannikis und Glöckner. Nur unter Köllner blieb es bis zum Schluss spannend. Zahlen, die das Bild unterstreichen: Die Drittliga-Bestmarke aus der Saison 2020/21 (66 Punkte) ist längst außer Reichweite, auch Platz vier und damit der sichere DFB-Pokal-Einzug sind bei elf Punkten Rückstand kaum mehr realistisch. Im schlechtesten Fall droht eine Saison wie zuletzt unter Giannikis und Glöckner: 53 Punkte, graues Tabellenmittelfeld, Platz elf.ULI KELLNER