Antoine Bibeau: Solide – mehr nicht. © Red Bull/City-Press
München – Wer im SAP Garden ein Eishockeyspiel verfolgt, sieht immer wieder die Einblendung auf dem Videowürfel: Fängt jemand einen Puck, der in die Ränge fliegt, möge er ihn bitte abgeben. Grund: In so einer Hartgummischeibe ist High-Tech verbaut, ein Chip, der die Wege des Spielgeräts aufzeichnet. Dazu tragen auch alle Spieler Chips in ihren Ausrüstungen, unablässig wird zu festen Stationen im Stadion gefunkt. Jede Aktion wird getrackt, es ergibt sich ein umfassendes statistisches Bild. Was es über die Playoffs aus Sicht des EHC Red Bull München (4:2 Siege gegen Ingolstadt, 1:4 gegen Mannheim) verrät:
Torwartspiel: Der Münchner Keeper Antoine Bibeau brachte in den Playoffs eine solide Leistung. Er hätte laut der aus dem Fußball bekannten Expected-Goals-Analyse 26,59 Gegentreffer bekommen sollen, es wurden 27. Allerdings wurde er vom Mannheimer Maximilian Franzreb klar ausgestochen: Statt 29,54 Toren kassierte „Franjo“ lediglich 25 – er verhinderte also vier Gegentreffer. Besonders stark war er in zwei Kategorien: bei Querpässen vor dem gegnerischen Abschluss mit plus 3,34 (Bibeau minus 2,31) und bei vor ihm abgefälschten Schüssen (Franzreb plus 1,71, Bibeau minus 4,84).
Spielfluss: Der Eindruck, München diktierte meist das Spielgeschehen, ist nicht falsch. Der EHC spielte in seinen beiden Playoff-Serien konkurrenzlose 3639 Pässe, von denen 84 Prozent ankamen. Über 3:20 Stunden hatten Münchner Spieler die Scheibe am Schläger. Allerdings hätten sie noch dominanter auftreten können, wären sie am Bullypunkt stärker gewesen. Wer das Anspiel gewinnt, ist nämlich erst einmal (für die nächsten zehn bis 15 Sekunden) Herr des Verfahrens. Gegen Mannheim gewann der EHC aber nur 43 Prozent seiner Bullys. Von den Mittelstürmern lag lediglich Patrick Hager im Plus (50,88 Prozent).
Disziplin: In der Fair-Play-Tabelle der Playoffs landete der EHC auf dem letzten Platz. Aus 47 Zwei-, sechs Fünf-Minuten- und je drei Disziplinar- und Spieldauerdisziplinarstrafen ergaben sich in der Summe 214 Strafminuten, 19,45 im Schnitt. Verantwortlich für diese Bilanz ist fast ausschließlich das berüchtigte „Spiel vier“ des Viertelfinales in Ingolstadt mit 125 Strafminuten. Den Umgang damit nannte EHC-Sportchef Christian Winkler „eine Challenge“. Da die Eskalation recht einseitig war, standen die Münchner fortan unter Beobachtung. „Wie die Jungs damit umgegangen sind – das war à la bon heure“, so Winkler. Nach dem Skandalspiel agierte die Mannschaft extrem diszipliniert. Durch die fünf Halbfinal-Partien gegen Mannheim kam sie mit insgesamt 26 Strafminuten. Auffällig auch: Abwehrrecke Dillon Heatherington ist mit 41 Minuten Strafbank.-Vizekönig der Playoffs hinter dem Berliner Veillieux – doch sein Konto füllte der Münchner in einem einzigen Spiel, dem in Ingolstadt. Bei neun weiteren Auftritten blieb er straffrei.
Abschluss: Verliert er, bemüht der EHC gerne das Narrativ, es habe nur an mangelnder Chancenverwertung gelegen. Stimmt nicht ganz, der EHC hatte sogar einige Überperformer, allen voran Tobias Rieder, der aus Möglichkeiten für 5,05 Tore acht Einschüsse machte.
Special Teams: Acht Powerplaytore aus 42 Chancen – macht 19,05 Prozent Erfolgsquote im Überzahlspiel. Zehn Gegentreffer bei 39 Mal Unterzahl – 74,36 Prozent. Als gut gilt, wenn sich aus der Addition der beiden Werte mehr als 100 Prozent ergeben. Für den EHC wurden es nur 93 Prozent. Mannheim legte in den Playoffs 114 Prozent hin.GÜNTER KLEIN