Spielfeld, Weltkugel und Geldbündel: So verkauft die ARD ihren neuen Fußball-Report. © WDR
München – Es ist die Jahreszeit für den großen Fußball, hell leuchtet in diesen Wochen die Champions League, wo die Reichen gegen die ordinär Reichen und die absurd Reichen spielen. Das Publikum ist fasziniert – aber vielleicht auch offen für die Geschichte dahinter. Eine neue ARD-Dokumentation verspricht, sie zu erzählen, ab 24. April in drei Teilen im Hauptprogramm, zuvor auch schon in der Mediathek. Doch ist es eine gute, eine erhellende Doku, die Robert Kempe, einer der kritischen Sport-Geister im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, gedreht hat?
Medien hatten die Gelegenheit, den zweiten Teil vorab zu sichten. Die 37 Minuten zum Thema „Kapital“ lassen einen erschlagen zurück. Vor allem mit klingenden Ohren durch die unablässig peitschende Musik, die nahezu jeden Satz noch dramatisiert. „Wir bedienen volle Kanone und 365 Tage den Hype Fußball“, sagt der als „Transferjournalist“ bekannte Sky-Mann Florian Plettenberg – und es wummert dazu aus dem Lautsprecher. Der WDR nimmt den Takt auf, er nennt die Dokumentation „INSIDE FUSSBALL – Wer kauft das Spiel?“. Versalien sind niedergeschriebene Maktschreierei, es besteht die Gefahr, dass die zu laute und auch zu schnelle Präsentationsform, die der WDR gewählt hat, die teils ja sicherlich wertvollen Inhalte gar nicht zur Geltung kommen lässt.
Es ist ein Coup des Filmteams, dass es mit John Textor aus Florida einen Investor vor die Kamera bekommen hat und der auch offen erzählt von seiner Eagle Football Holding, einer jener neuartigen Multiple-Clubs-Eigentümerkonstrukte: Beteiligungen an Botafogo, Molenbeek, Crystal Palace, Olympique Lyon, Aufstockung hier, Ausstieg da, Transfers von A nach B und zurück, markante Sätze wie „Ich bin im Krieg mit unseren Kreditgebern“ oder „Ich bin euer Präsident und euer Bruder“. Doch man vermisst die Hilfe bei der Einordnung: Ist das jetzt einer, der es im Grunde gut meint, oder einfach nur ein windiger Geschäftemacher, der Fußball als den „schnellsten Weg, eine Milliarde Menschen zu erreichen“, sieht? Und wenn, wie in diesem vorab einsehbaren Teil geschehen, die Aussichtslosigkeit von Eintracht Frankfurt im internationalen Geschäft aufskizziert wird – worauf läuft das hinaus? Auf ein Plädoyer, die 50+1-Regel zu kippen? Die Stoßrichtung der Dokumentation ist unklar.
Trotzdem bleibt natürlich die Spannung auf Teil eins („Der Abstand“) und drei („Die Zukunft“). Weil man vom Fußball halt schon mehr sehen will als seine aufpolierte Oberfläche.GÜNTER KLEIN