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Zverev läuft langsam die Zeit davon

von Redaktion

29. Geburtstag

Junge, wie die Zeit vergeht. Es scheint nicht lange her, dass Alexander Zverev als frisch gebackener Australian-Open-Champion der Junioren als 17-Jähriger erstmals in München vorstellig wurde. Aber das Gefühl täuscht, denn gestern wurde der Hamburger bereits 29 Jahre alt. Die BMW Open konnte der 1,98-Meter-Schlaks in den vergangenen zwölf Jahren dreimal gewinnen, aber auf der Grand-Slam-Bühne, steht weiter „nur“ der Junioren-Titel in der Vita.

Der älteste Debüt-Champion der Historie ist Goran Ivanisevic mit 29 Jahren. Der Kroate erfüllte sich seinen Traum 2001 in Wimbledon in seinem 48. Grand-Slam-Turnier. Zverev steuert immer mehr auf diese Marke zu, er steht bei 43 Versuchen. Doch bei der aktuellen Tennis-Weltlage schleichen sich immer deutlicher erste Zweifel ein. Zu dominant erscheint beispielsweise Jannik Sinner. Schwächelt der Italiener, lauert der Spanier Carlos Alcaraz auf seine Chance.

In der Rangliste folgt als Dritter Zverev – weil er über das Jahr verteilt sehr gute Ergebnisse einspielt. Über zwei Wochen und drei Gewinnsätze kann er diese Konstanz aber selten halten. In den Anfangsjahren scheiterte er oft an der Psyche, mittlerweile limitiert ihn vereinzelt auch sein Körper. Einschub: Dass seine Diabetes-Erkrankung eigentlich nie Thema ist, ist schon eine Leistung für sich. Wie wichtig Pausen sind, hat Zverev neuerdings selbst erkannt. Dementsprechend smarter will er seine Turnierplanung gestalten. Der Gedanke ist richtig, kommt aber überraschend für jemanden, der bisher kein lukratives Show-Event ausgelassen hat. Man muss Zverev das nicht vorwerfen. Aber man darf es feststellen.

Überhaupt ist dieser nun nur noch mitteljunge Mann, der schon als kleiner Stöpsel mit seinem größeren Bruder die Tour bereist hat, mit vielen Erwartungen aufgewachsen. Den eigenen und denen der Öffentlichkeit. Auch die sehnt sich nach der Becker-Stich-Ära nach einem männlichen Champion – oder vielleicht doch nur nach der alten Tennis-Romantik, die nicht zu wiederholen ist? So oder so: Alexander Zverev läuft langsam die Zeit davon.

MATHIAS.MUELLER@OVB.NET

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