ZUM TAGE

Das Nachwuchssystem Europas blutet aus

von Redaktion

Basketball-Talente ziehen ins College

Nun hat die Sache also auch den Allergrößten auf den Plan gerufen. Dirk Nowitzki äußerte sich besorgt über den Abfluss europäischer Talente in das US-Amerikanische Collegesystem. Er fordert ziemlich unmissverständlich: So wie es ist, darf es nicht bleiben.

So deutlich äußert sich der NBA-Champion von 2011 dann doch eher selten. Aber das liegt sicher auch daran, dass gerade Nowitzkis Heimatliga BBL besonders stark von den Veränderungen im Nachwuchsbereich getroffen wurde. Ausnahmetalente wie Bayerns Ivan Kharchenkov, wie Johan Grünloh (Vechta), Hannes Steinbach (Würzburg) oder Sananda Fru (Braunschweig) zog es im vergangenen Sommer über den großen Teich.

Für den Nachwuchs selbst ist das absolut nachvollziehbar. Sportlich steht das Ausbildungssystem der Colleges schon lange außerhalb jeder Diskussion. Und nun hat die Freigabe von Marketing- und Werbemaßnahmen auch die Verdienstmöglichkeiten regelrecht explodieren lassen. Das Problem: Abgesehen vom FC Bayern, der für Kharchenkov zumindest eine Entschädigung aushandelte, gehen die abgehenden Vereine leer aus. Die Konsequenz: Die Clubs verlieren nicht nur Talente und Identifikationsfiguren – auch für angemessenen Ersatz kann mangels der nötigen Mittel kaum gesorgt werden. Im Extremfall steht die Nachwuchsförderung in den europäischen Ligen auf der Kippe.

„Wir sind gefordert“, sagte Kamil Novak, der starke Mann der FIBA Europe im vergangenen Sommer gegenüber der TZ. Passiert ist nicht viel. Auch Novak merkte schnell, dass dem Verband gegenüber den mächtigen US-Systemen schlicht das Gewicht fehlt. Wobei Ausgleichszahlungen alleine die gefährliche Entwicklung wohl bestenfalls bremsen würden. Es bedarf auch einer Reaktion des Collegeverbundes selbst. Zum Beispiel in Gestalt einer Gehaltsobergrenze als freiwillige Selbstkontrolle, die zumindest ein bisschen Stabilität ins zunehmend heißer laufende System bringen würde.

Bayern-Chef Dragan Tarlac indes sieht den Kampf als verloren. „Der Exodus“, so sagte er, „ist nicht mehr aufzuhalten.“ patrick.reichelt@t-online.de

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