Allein auf weiter Flur: 1860-Spielmacher Kevin Volland vermisste beim 0:0 in Saarbrücken Mitspieler, die den Ball haben wollen – seine Körpersprache und seine Aussagen danach zeugen von Frust. © IMAGO / Fabian Kleer
München – Am Dienstag ging‘s für die Löwen zurück auf den Trainingsplatz. Ohne Philipp Maier, der für den Rest der Saison ausfällt (Fuß) – dafür erstmals wieder mit Tunay Deniz: Comeback am Ball nach Kreuzband-OP. Nach der Nullnummer in Saarbrücken hatten die Spieler frei – eine sinnvolle Maßnahme, um sich noch einmal zu sammeln. Sechs Spiele ohne Sieg haben Spuren hinterlassen. Nicht nur in der Tabelle, auch in der Kabine.
Vor allem bei Kevin Volland war der Frust im Ludwigspark unübersehbar. Kaum einer half im Spielaufbau, zu wenige forderten den Ball – die Löwen agierten über weite Strecken, als sei die Saison bereits beendet. „Dabei ist genau das die Basis: Zweikämpfe annehmen, Energie hochhalten und sich gegenseitig helfen – gerade in schwierigen Phasen“, sagte Volland. Sein Fazit fiel entsprechend deutlich aus: „Wir müssen uns auf dem Platz mehr helfen, uns anbieten und den Ball auch wirklich wollen. Wir dürfen uns nicht verstecken.“ Denn das große Ziel bleibt: der Gewinn des Totopokals am 23. Mai bei Kickers Würzburg.
Es ist das alte Lied bei den Löwen: Am Ende der Spannung ist noch zu viel Strecke übrig. Die Ergebnisse der vergangenen Wochen wirken wie ein Energiekiller. Unentschieden und Niederlagen reihen sich aneinander. Der letzte Sieg – das 1:0 in Köln – liegt gefühlt eine halbe Ewigkeit zurück (6. März). Damals hatten die Bäume noch keine Blätter – und die Löwen schauten noch nach vorne und nicht in eine Sackgasse.
Trainer Markus Kauczinski hatte bereits vor der Partie in Saarbrücken ein Zwischenfazit gezogen – eines, das bewusst vage blieb: „Das Glas ist weder halb voll noch halb leer, sondern genau in der Mitte.“ Gleichzeitig deutete er an, wo er ansetzen will, damit sich der sportliche Leerlauf in der kommenden Saison nicht wiederholt: an mehreren Stellschrauben. Personal, Grundordnung, Spielweise – und vor allem am Mindset. „Bälle fordern, mutig sein – diese Dinge müssen wir vorantreiben“, sagte der Coach. Ob über Systemanpassungen oder individuelle Qualität, ließ er offen. Klar ist nur: Gesucht werden Spieler, die genau das verinnerlichen.
Vier Spiele bleiben den Löwen in der Liga noch, um sich für das Finale in Würzburg einzustimmen. Den Auftakt macht am Samstag (14.03 Uhr) das Heimspiel gegen den Abstiegskandidaten Ulm. Für Volland ist der Weg zu einem versöhnlichen Ende klar umrissen: „Fußball ist ein Fehlerspiel. Wenn wir mehr Druck erzeugen, ergeben sich auch Chancen.“ Entscheidend sei nun, die Saison sauber zu Ende zu bringen – und im Pokal zu liefern.
Denn eine Weisheit ist mehr als eine Binse: Titel gewinnt man nur als Team. Auch dann, wenn im Finale ein Regionalligist wartet. „Dafür müssen wir die Stimmung hochhalten“, sagt Volland.ULI KELLNER