Schach-Star durch staatliche Förderung

von Redaktion

Usbeke Sindarov gilt als WM-Favorit – Blübaum selbstkritisch

Selbstkritisch: Matthias Blübaum beim Kandidatenturnier. © Walusza/FIDE

Pegia/Bielefeld – Javohir Sindarov hat in den vergangenen Wochen die Schachwelt mit seinem Auftritt beim Kandidatenturnier in Pegia auf Zypern begeistert. Nach seinem Rekordlauf in der ersten Hälfte des viel beachteten Events war dem erst 20-jährigen Usbeken der Sieg bereits zu diesem frühen Zeitpunkt kaum mehr zu nehmen. Er darf nun den amtierenden Weltmeister Dommaraju Gukesh (Indien) herausfordern. Nicht nur für das Gros der Schachwelt ist Sindarov der große Favorit.

Superstar Magnus Carlsen (Weltmeister von 2013 bis 2023) sagte zuletzt: „Es ist aktuell unmöglich, nicht auf Sindarov zu setzen.“ Gukesh, der sich nach seinem Sieg über den Chinesen Ding Liren 2024 mit 18 Jahren zum jüngsten Weltmeister krönte, wurde in den letzten zwölf Monaten in der Weltrangliste von Platz drei bis auf 17 zurückgereicht. Der Inder habe laut Carlsen, der 2023 seinen WM-Titel kampflos abgegeben hat, „offensichtliche Schwachstellen“, die Sindarov eben nicht hat.

Dass nun ein Inder und ein Usbeke um die Schach-Krone spielen, ist für Matthias Blübaum kein Zufall. „Es gibt Länder, die sich über Sport profilieren möchten, und dann wird natürlich der Sport mehr gefördert. Indien und Usbekistan wären so Beispiele, wo das auch politisch für das Image des Landes eine Wirkung haben soll – und deswegen wird das extrem gefördert“, sagte der erste Deutsche bei einem Kandidatenturnier seit 1991 noch vor dem Event unserer Zeitung.

Blübaum selbst gelangen gegen den vielleicht neuen Dominator zwei Remisen, insgesamt verlor der Außenseiter nur zwei aus 14 Partien (zwölfmal gab es keinen Sieger). Am Ende stand für den Bielefelder, der am Wochenende seinen 29. Geburtstag feierte, Platz sechs zu Buche. Eigentlich ein sehr solides Resultat für den selbstkritischen Blübaum. Er sagte nach einem Remis, dass er „wie ein Clown“ gespielt habe.

Wie ein Genie spielte dagegen Vincent Keymer, der aus deutscher Sicht ebenfalls für Furore sorgte. Die Nummer sieben der Welt konnte Anfang April das größte Freestyle-Turnier der Welt gewinnen. In dem Format wird die Startposition der letzten Reihe ausgelost. In Karlsruhe ließ er beim grenke-Freestyle auch Carlsen hinter sich und qualifizierte sich damit für die Freestyle-WM 2027.

Keymers Hauptaugenmerk liegt allerdings auf das Kandidatenturnier, bei dem er in zwei Jahren antreten will, nachdem es heuer noch nicht geklappt hat. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er es auch schafft“, sagte Blübaum über den 21-Jährigen.ALEXANDER VORMSTEIN

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