Enttäuschter Kapitän: Moritz Müller nach der 1:4-Niederlage der Kölner gegen Berlin. © Koch/IMAGO
Köln – Moritz Müller glitt mit leerem Blick über das Eis, den aufmunternden Applaus der Fans schien der Kapitän der Kölner Haie bei seiner Ehrenrunde kaum wahrzunehmen. Der Traum vom Titel war wieder einmal geplatzt, und vieles deutet darauf hin, dass dieses 1183. Spiel sein letztes in der Deutschen Eishockey Liga gewesen sein könnte.
Fragen zu seiner Zukunft wollte oder konnte Müller (39), der seit 23 Jahren bei den Haien spielt und viermal Vizemeister wurde, nicht beantworten. Zu tief saßen Trauer, Frust und Enttäuschung. Nach einer sensationellen Vorrunde, die die Kölner mit einem Punkterekord als bestes Team abgeschlossen hatten, waren die Eisbären Berlin im Playoff-Halbfinale wieder einmal zu gut und abgeklärt.
Die Serie ging mit 2:4 verloren – am Montagabend kassierten die Haien das entscheidende 1:4 in eigener Halle. Müller kämpfte wie all seine Mitspieler verbissen gegen das Aus, warf sich in jeden Zweikampf, doch es half nichts.
Geht Müller nun womöglich als „Unvollendeter“? Es könnte ein trauriges Ende einer großen Karriere sein. Er habe „immer gesagt, dass dies wahrscheinlich meine letzte Saison ist“, hatte Müller mehrfach betont. Doch gilt dies nun auch nach der erneuten Enttäuschung gegen Berlin? Im Mai steht noch die WM an, was danach passiert, ist offen.
Klar ist nur, dass den Haien, die im Vorjahr klar im Finale an den Eisbären gescheitert waren, ein großer Umbruch bevorsteht. Erfolgscoach Kari Jalonen geht zurück in seine finnische Heimat, die Verträge zahlreicher Spieler laufen aus, darunter sind Leistungsträger wie Oliwer Kaski, Nate Schnarr, Brady Austin – und eben Müller.
„Ich habe meine Zeit hier wirklich genossen und jede Sekunde und jeden Tag hier geliebt“, sagte Jalonen, dessen Abschied nach der Saison seit Oktober feststeht: „Jetzt ist es Zeit, nach Hause zu gehen.“
Der Schwede Thomas Berglund soll laut Medienberichten auf Jalonen folgen. Ob der Neuaufbau mit dem „ewigen“ Müller erfolgt, ist jedoch fraglich. Schon im Vorjahr hatte der Abwehrspieler lange gezögert und sich doch zum Weitermachen entschieden.
Vielleicht, weil es eine Olympiasaison war. Vielleicht, weil die Hoffnung auf den ersten DEL-Titel nochmals als Antrieb diente.
Dieses Aus dürfte noch schwerer zu verdauen sein als jenes im Vorjahr, denn diesmal waren die Haie ganz nah dran. „Es war ein Spiel, das wir größtenteils dominiert haben“, sagte Stürmer Dominik Bokk bei MagentaSport: „Berlin arbeitet auch sehr hart – aber schießt die Tore zur richtigen Zeit, die uns dann sehr wehtun.“
Was blieb, war vor allem Wehmut. „Ich bin so stolz auf meine Spieler für das, was sie in den letzten neun Monaten geleistet haben – und auch in dieser Serie“, sagte Trainer Jalonen.
SID