Strenge Wächter: Polizisten vor dem Stadion in Boston.
WM-Politik gegen das Volk: Trump mit Infantino. © dpa (2)
Fans für die schöne Kulisse: Doch wie viele kommen bei so viel Abzocke und Schikane? © Jan Woitas / dpa
München – Lust auf einen spontanen WM-Trip? Kein Problem! Wer sich kurzfristig entscheidet, das DFB-Team auf dem Weg zum fünften Stern zu begleiten, besitzt noch alle Möglichkeiten. Für schlappe 3277,50 US-Dollar gibt’s derzeit ein Ticket fürs Gruppenfinale gegen Ecuador, nah am Spielfeld in der brandneuen „Front Category 1“. Fehlt noch ein Parkplatz in Stadionnähe für 225 US-Dollar, oder lieber den Nahverkehr für 150 US-Dollar nutzen? Flug-, Hotel- und Bierkosten fallen da kaum noch ins Gewicht.
Spaß beiseite. Das Rechenbeispiel verdeutlicht dennoch, dass die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada zum Luxusevent verkommt. Eines, das vor allem wohlhabende Edelfans mit dicken Geldbeuteln locken soll und „normale“ Anhänger ohne Rücksicht auf (finanzielle) Verluste ausnimmt. Nicht nur bei der angeführten DFB-Partie am 25. Juni im Finalstadion in New Jersey.
Im Zentrum der Kritik: mal wieder die FIFA. „Im Moment könnten sich die Fans nicht unwillkommener fühlen“, sagte der Chef des englischen Dachverbands Football Supporters‘ Association (FSA) der BBC. Ein Sprecher der wichtigsten französischen Fanorganisation wirft der FIFA vor, „die treuesten Anhänger zugunsten der Reichen auszuschließen“.
Der Weltverband, der sich aufgrund seines Ticketverkaufs schon eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingehandelt hat, liefert sich derzeit dazu einen verbalen Schlagabtausch mit der Politik in New Jersey. Der Streitpunkt? Die Kosten für die Fananreise. Der Vorwurf? Die FIFA, moniert Gouverneurin Mikie Sherrill, stelle trotz erwarteter Einnahmen von bis zu 11 Milliarden US-Dollar durch Tickets, Übertragungsrechte, Sponsoring oder exorbitante Parkgebühren „keinen Cent“ für den Transport bereit.
Damit der Steuerzahler in New Jersey nicht auf den Kosten sitzen bleibt, ruft der Verkehrsbetrieb NJ Transit bei der WM nun stolze 150 US-Dollar für die 30-minütige Zugfahrt von Manhattan zum MetLife Stadium auf. Dies kommt mindestens in der Vorrunde auch einmal auf die DFB-Fans zu.
Die FIFA nannte die Preise „überhöht“, es sei beispiellos, „willkürlich überhöhte Preise festzulegen und von der FIFA zu fordern, diese Kosten zu tragen“, hieß es. Die Ausrichtung des Turniers, sagte Weltverbandschef Gianni Infantino jüngst, beschere der US-Wirtschaft ja schließlich 30 Milliarden US-Dollar. Einige Stadtverantwortliche bezweifeln dies.
Ursprünglich sahen die Vereinbarungen zwischen FIFA und Austragungsorten eine kostenlose Anreise zu den Spielen für Ticketinhaber vor – wie bei der EM 2024 in Deutschland oder der WM 2022 in Katar. Die FIFA änderte die Vorgabe jedoch auf Druck der Städte. Die Folge: In Boston, wo auch das DFB-Team in der K.o.-Runde spielen könnte, werden stolze 95 Dollar für die Hin- und Rückfahrt im Bus berechnet.
Auch die Einführung einer Ticket-Premiumkategorie („Front Category 1“) der FIFA sorgte kürzlich für Aufsehen. Kartenkäufer warfen dem Weltverband zudem vor, durch die Stadionpläne in die Irre geführt worden zu sein.
Und dann wäre da ja noch der Ticket-Zweitmarkt der FIFA. Erworbene Karten können dort angeboten werden, ohne Regulierung durch den Weltverband allerdings. Der Verkäufer legt den Preis der ohnehin teuren Tickets selbst fest. Das führt teils zu horrenden Summen, auch beim Ticket für das DFB-Spiel gegen Ecuador. Die FIFA profitiert gleich doppelt: Sie kassiert 15 Prozent Gebühr – sowohl vom Verkäufer als auch vom Käufer. Da kommt Freude auf die WM auf…SID, DPA