Luftig bei 13 Grad: Kompany © Gambarini/dpa
Torschützen unter sich: Kane und Diaz. © Wittek/EPA
Gnadenlos: Kanes siebter Pokaltreffer in der laufenden Saison brachte die Bayern hochverdient in Führung. Im Finale will er sein Torkonto noch weiter wachsen lassen. © Wittek/EPA
Leverkusen – Das „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ war lautstark in der BayArena zu hören, als das Halbfinale im DFB-Pokal wegen Pyrotechnik noch nicht angepfiffen werden konnte. Aber die Momente vor dem verspäteten Spielbeginn waren die einzigen, in denen die Fans von Bayer Leverkusen wirklich Hoffnung auf ein Wunder haben konnten. In den 90 Minuten danach zeigte der FC Bayern, warum er weiter vom Triple träumen darf. Am Ende stand nach einem Treffer von Harry Kane (22.) und dem Last-Minute-Tor durch Luis Diaz (90.+3) ein 2:0 (1:0) – und der erste Einzug ins Pokalfinale seit 2020.
Vielleicht nicht in Lederhose, aber mit breiter Brust geht es am 23. Mai in der Hauptstadt um das Double für das Team von Vincent Kompany. Spielt man dort gegen Stuttgart oder Freiburg wie in Leverkusen und nutzt noch ein paar mehr der vielen Chancen, ist der 21. Pokalsieg der Vereinsgeschichte nur noch Formsache. Im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain dürfte man immerhin auf mehr Gegenwehr treffen als beim Double-Gewinner von 2024, der erst in der zweiten Halbzeit stattfand. Einziger Vorwurf an Bayern: Man hätte viel früher viel höher führen können.
„Alle vier Teams dürfen träumen – und wir träumen auch“, hatte Kompany vor dem Anpfiff gesagt. Wohl wissend, wie groß die Sehnsucht nach fünf Jahren ohne Pokalfinale im gesamten Verein ist. Es war daher keine Überraschung, dass er seine absolute A-Elf aufbot, mit Jamal Musiala anstelle des verletzten Serge Gnabry. Und genauso wenig überraschte es, dass die Bayern durch Dayot Upamecano nach einer Ecke die erste Chance des Abends hatten (5.). Schon die Anfangsphase unterstrich die Rollenverteilung deutlich: Die Bayern im Vorwärtsgang, Leverkusen hingegen schaffte es kaum über die Mittellinie. 73 Prozent Ballbesitz waren es in den ersten 15 Minuten, das 1:0 hatte Luis Diaz auf dem Fuß, aber Flekken war zur Stelle (15.). Genau wie kurz später gegen Kane (18.).
Es wirkte schnell, als sei die Bayern-Führung nur eine Frage der Zeit. Und als Kane dann von der linken Seite von Musiala bedient wurde, war es auch so weit. 22. Minute, Diaz leitete die Hereingabe mit einer Mini-Berührung weiter, Kane schloss aus sieben Metern gnadenlos ab. Der siebte Treffer im laufenden Wettbewerb ließ die Fans skandieren: „FC Bayern, wir fahren nach Berlin!“ Und er führte dazu, dass die Bayern noch aktiver wurden. Olise etwa ging die Bayer-Verteidigung schon am Strafraum an. Die Gastgeber fanden absolut kein Rezept, auch lange Bälle führten ins Nichts. Spannung – so viel gehört auch zur Wahrheit – sieht anders aus. Ein Team, das ein 0:1 verteidigt, ist kein ebenbürtiger Gegner. Torschussverhältnis zur Pause: 10:0.
Bayer musste reagieren – und tatsächlich: Neuer durfte gegen Tella erstmals ran (52.) und ballte die Faust. Die Partie wurde offener und ansehnlicher, aber Musiala, Kane, Diaz und Olise drängten trotzdem auf das 2:0. Weil es nicht fiel, wurde zumindest die Schlussphase spannender. Bis Diaz stach. Die Lederhosen der Bayern blieben an – und nehmen nun Kurs auf Berlin.H. RAIF, V. TSCHIRPKE, M. BONKE